Gtai WARSCHAU.
Nachdem die Warschauer Stadtpräsidentin Hanna Gronkiewicz-Waltz am 5. Dezember 2007 die Genehmigung zum Bau des Wolkenkratzers erteilt hatte, die der Wojewode von Masowien am 13. Mai 2008 für rechtskräftig erklärte, begann der Investor Orco 2008 mit dessen Errichtung. Das Projekt kostete ihn bisher über 40 Mio. Euro. Seit März 2009 steht der Rohbau mit 17 Stockwerken mit der Adresse ul. Zlota 44 jedoch still. Orco wurde von der Finanzkrise getroffen, verfügt nun aber nach eigenen Angaben wieder über die erforderlichen Mittel, um den Bau fortzusetzen.
Der Bauträger konnte bis zum Baustopp bereits 90 von insgesamt 251 geplanten Luxuswohnungen verkaufen, wobei die Käufer seitdem keine monatlichen Ratenzahlungen mehr leisten, wie die Direktorin für Verkauf und Marketing bei Orco Poland, Alicja Kosciesza, gegenüber Germany Trade & Invest versicherte. Keiner der Käufer zog sich bisher zurück; statt dessen wurden weitere 30 Wohnungen von Interessenten reserviert. Der Preis pro Quadratmeter liegt durchschnittlich bei rund 28 000 Zl (rund 6.763 Euro, 1 Euro = 4,14 Zl).
Das direkt beim Warschauer Zentralbahnhof angesiedelte Objekt soll schließlich auf eine Höhe von 192 Meter anwachsen und über 54 Stockwerke verfügen. Es erhält die Form eines Adlerflügels, des polnischen Wappentieres, wird aber im Volksmund "Zagiel" (Segel) genannt.
Davon gestört fühlen sich jedoch sieben Anwohner, die am 20. Juni 2008 eine Klage gegen die Baugenehmigung bei dem Wojewoden von Masowien einreichten. Dieser wies die Klage ab, doch das Verwaltungsgericht der Wojewodschaft WSA entzog der Orco Property Group die Baugenehmigung praktisch am 29. Juli 2009, weshalb der Bauträger die Bauarbeiten seitdem nicht mehr wieder aufnehmen konnte. Orco ging in Revision; das Oberste Verwaltungsgericht NSA wies die Anfechtung des WSA-Urteils jedoch Ende Juni 2010 zurück. Nun wird die Angelegenheit erneut dem Wojewoden von Masowien vorgelegt, der 30 bis 60 Tage Zeit hat, seine Entscheidung zu treffen.
Libeskind selbst machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl und unterstützt Orco voll und ganz in diesem Rechtsstreit. Der Star-Architekt erklärte in einem offenen Brief an den Bauträger, dass das auf der Grundlage nicht inhaltlicher sondern verwaltungstechnischer Unzulänglichkeiten gefällte Urteil des NSA besonders schädlich für das Ansehen Warschaus sei. An ausländische Investoren geht dadurch das negative Signal aus, dass in Polen erteilte Baugenehmigungen jederzeit, auch nach Baubeginn, wieder entzogen werden können.