Behälterglas-Hersteller Wiegand
Die innovativen Traditionalisten

Seit 14 Generationen produziert die Familie Wiegand im oberfränkischen Steinbach am Wald Glas. 1996 übernahmen die beiden Vettern Nikolaus und Oliver Wiegand die Firma: Und verkaufen nach überstandenen Krisen die oft totgesagte Glasflasche erfolgreich in alle Welt.

KÖLN. Als Oliver und Nikolaus Wiegand noch klein waren, trafen sie sich oft in der Glasfabrik, die Ihren Vätern gehörte. Sicher konnten die beiden Cousins da noch nicht ahnen, dass sie eines Tages selbst Chefs der Firma sein würden. Vor allem sah es nicht immer rosig aus für das Geschäft von Wiegand Glas.

Die Behälterglas-Hersteller haben einige Krisen hinter sich. Jetzt sind sie wieder erfolgreich: Im vergangenen Jahr konnten die deutsche Unternehmen ihre Produktion wieder deutlich steigern, die Kapazitäten sind ausgelastet. Das Beispiel der Familie Wiegand zeigt, dass ein Mittelständler auch mit einem vermeintlich altmodischen Produkt wie Glas Geld verdienen kann – wenn er den Spagat zwischen Innovation und Tradition schafft.

Das Unternehmen wurde schon 1593 gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg führten zwei Wiegand-Brüder den Betrieb, jeder der beiden Familienstämme hält heute 50 Prozent der Anteile. 1965 übernahmen Joachim und Konrad Wiegand die Geschicke der Firma. Dann traten die Cousins an. „Mein Vater hatte mich schon vor dem Studium gefragt, ob ich das Familienunternehmen übernehmen wolle“, sagt Oliver Wiegand. Bei seinem Cousin Nikolaus war es genauso. Ihre Schwestern waren nicht an der Firmenleitung interessiert. Und als sich die beiden Seniorchefs 1996 zurückzogen, übernahmen Oliver und Nikolaus: In der 14. Generation. „Ich bin als Kind fast in der Firma aufgewachsen“, so Oliver. Sein Elternhaus stand direkt neben der Firma. Inzwischen wurde das Haus abgerissen - es fiel einer Erweiterung zum Opfer. Hier steht jetzt eine Produktionshalle.

Fragt man Oliver Wiegand nach einem Fazit der vergangenen zehn Jahre, spricht er von zwei unterschiedlichen Phasen. In den ersten acht Jahren ihrer Führung habe es einen Trend weg vom Glas zum Kunststoff gegeben. Das deutsche Zwangspfand tat sein übriges, der Glasverbrauch ging rapide zurück: „Da hatten wir ein striktes Programm, Kosten zu reduzieren“, sagt der 42-Jährige. Auch in der Glasverarbeitungsbranche gab es Übernahmen und Fusionen, aus vielen Kleinen wurden wenige Große. In den letzten zwei Jahren hat sich die Lage aber wieder gewandelt. Oliver Wiegand: „Momentan ist die Nachfrage größer als das Angebot.“ Das liegt aber nicht nur an der besseren Konjunktur - die Wiegands haben es außerdem geschafft, das Unternehmen mit der richtigen Mischung aus Altbewährtem und Neuem krisenfest zu machen.

Zum Einen haben die beiden Cousins das Auslandsgeschäft erheblich ausgebaut. Ihre Väter hatten es zwar auch schon „ein bisschen verstärkt“, wie Oliver Wiegand es nennt, sich dabei aber hauptsächlich auf Frankreich konzentriert. Die neuen Chefs gingen noch einen Schritt weiter. Seit kurzem hat Wiegand eine Tochtergesellschaft in der Slowakei, die zuständig ist für den Vertrieb in die neuen EU-Staaten. Die Tochterfirma wickelt auch die Transporte mit zum Teil eigenen Lastwagen ab. Außerdem schlossen die beiden Wiegands vor anderthalb Jahren ein Joint Venture in Südafrika: „Wir sehen dort eine große Chance“, sagt Wiegand. Der Glasmarkt boome, das Land verzeichne seit Jahren ein stabiles Wachstum. Um sich davon persönlich zu überzeugen, fliegt er alle sechs Wochen ans Kap. Außerdem hat das Unternehmen eine Abteilung, die sich nur mit dem Export Richtung Westen beschäftigt, also vor allem nach Frankreich und in die Benelux-Länder.

Seite 1:

Die innovativen Traditionalisten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%