Beispiellose steuerliche Entlastung
Gastbeitrag: Steuerkompromiss ist Glücksfall für den Mittelstand

Kaum ist der Steuerkompromiss von Bundesregierung und Opposition bekannt, wird das Ergebnis schon zerredet. Die Kapitalgesellschaften würden entlastet, der Mittelstand ginge leer aus. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die am Donnerstag vorgestellten Maßnahmen zur Senkung der Unternehmenssteuern sind ein Glücksfall für den Mittelstand in Deutschland.

HB DÜSSELDORF. Noch nie hat es in der Geschichte der Bundesrepublik die konkrete Aussicht auf eine so umfassende Steuerreform gegeben. Und entgegen der öffentlichen Kritik kommt die Entlastung auch den mittelständischen Gesellschaften in Deutschland zu Gute. Denn jedes mittelständische Unternehmen kann eine Kapitalgesellschaft in Form einer GmbH gründen und damit von einem niedrigen Körperschaftssteuersatz von 19 Prozent profitieren.

Deutschland zieht damit bei der Unternehmensbesteuerung mit Staaten wie der Slowakei und Österreich gleich. Dies ist ein wichtiges Signal nicht nur für die eigene Wirtschaft, sondern auch für internationale Investoren. Besonders zu begrüßen ist die steuerliche Entlastung für nicht ausgeschüttete Gewinne. Ein Unternehmer, der seine Gewinne investiert, anstatt diese auszuschütten, wird in Zukunft geringer besteuert. Das ist besonders für Mittelständler interessant, die traditionell ihr Kapital im Unternehmen belassen. Bei einem Gewerbesteuer-Hebesatz von 400 Prozentpunkten ergibt sich für eine Kapitalgesellschaft bei thesaurierten Gewinnen eine Steuersenkung um fünf Prozent von 37,5 auf 32,5 Prozent. Auf den Punkt gebracht heißt dies: Investieren wird steuerlich belohnt.

Kapitalgesellschaft wird für Mittelständler wieder interessant

Auch bei Personengesellschaften wird durch Erhöhung der Gewerbesteueranrechnung eine Entlastung erzielt. Allerdings ist diese geringer und liegt bei einem Hebesatz von 400 Prozentpunkten bei ca. einem Prozent - von bisher 44 auf 43 Prozent.

Erst in der Gesamtbetrachtung wird die Chance für mittelständische Unternehmen deutlich. Denn Mittelständler haben bisher die GmbH gemieden, weil die hohe Erbschaftsteuer eine Unternehmensnachfolge erschwert. Doch im Zuge der Steuerreform soll endlich auch diese Barriere aufgehoben werden. Der Steuerkompromiss sieht vor, die Erbschaftsteuer für Unternehmen zu senken, die nach der Nachfolge weiter geführt werden. Damit wird die Kapitalgesellschaft für den Mittelstand wieder interessant. Der Vorschlag erleichtert in Zukunft die Unternehmensnachfolge steuerlich erheblich. Denn Unternehmen, die in der Familie an den Nachfolger übergeben werden, werden in Zukunft steuerlich deutlich, nach zehn Jahren sogar vollständig, entlastet. Dieser Vorschlag entspricht weitestgehend dem von den bayerischen Staatsregierung eingebrachten "bayerischen Modell" zur Senkung der Erbschaftsteuerbelastung.

Mittelständler müssen nur genau prüfen, ob Sie durch die Umwandlung in die GmbH bei der Gesellschafterfremdfinanzierung Nachteile erleiden. Dies hängt von den Freibeträgen (250.000 Euro Zinsen pro Jahr) ab, die viele mittelständische Gesellschaften aber ohnehin nicht überschreiten. Eine wichtige Ergänzung könnte jetzt noch eine Erleichterung der GmbH-Gründung in Deutschland schaffen. Denn viele Unternehmen gründen eine englische Limited, weil sie damit die Kapitaleinlage von 25.000 Euro bei der GmbH in Deutschland umgehen können. Deutschland könnte von der Einführung einer ‚1-Euro-GmbH’ deutlich profitieren. Dies gilt auch im Wettbewerb um internationale Investoren. In Verbindung mit einer Reduzierung der Gründungsdauer einer Gesellschaft in Deutschland würde damit die jetzt getroffene Vereinbarung noch verbessert. Ein Gesetzentwurf des Justizministeriums zur "Ein-Euro-GmbH" wird noch im März erwartet. Damit wäre der Steuerkompromiss rund.

In der Gesamtbetrachtung werden die Vorteile des Steuerkompromiss für den Mittelstand deutlich: Die Senkung des Steuersatzes für Kapitalgesellschaften, verbunden mit der geringeren Besteuerung reinvestierter Gewinne und die Senkung der Erbschaftsteuer für Unternehmen, die im Zuge der Nachfolge fortgeführt werden, schaffen eine bis dato beispiellose steuerliche Entlastung für den Mittelstand. Durch eine geschickte Rechtsformwahl kann jeder Mittelständler vom Steuerkompromiss profitieren. Damit sind die steuerlichen Voraussetzungen für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland geschaffen worden.

Der Autor, Bernd Rödl, ist Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Partner, bei Rödl & Partner Nürnberg

Kontakt: bernd.roedl@roedl.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%