Berentzen bricht mit der Tradition
Der Apfelkornerfinder setzt aufs Ausland

Neue Produkte auf neuen Märkten: So will der niedersächsische Schnapsbrenner Berentzen wieder wachsen. Den Bruch mit der Tradition nimmt Firmensanierer Blaschak dafür gerne in Kauf.
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HaselünneDer Berentzen-Hof in Haselünne ist ein bemerkenswertes Stück emsländischer Baukunst: ein Anwesen aus typischem rotem Backstein, verwinkelt, mit repräsentativen Sälen und schlichten Kammern. Der Bau ist der ideale Sitz für ein traditionsbewusstes Familienunternehmen. Doch Details belegen: Der Apfelkornerfinder Berentzen hat mit der Tradition gebrochen. In der alten Produktionshalle des Hofs stehen heute Partytische statt Destillen, und im Chefbüro plant ein angestellter Manager neue Spirituosen für Indien und China.

Stefan Blaschak will 2011 mit neuen Produkten und neuen Märkten den Umsatzverfall von Berentzen stoppen, anschließend soll das Unternehmen wachsen – profitabel, wie Blaschak ausdrücklich betont. Schließlich war er 2008 als Sanierer vom Finanzinvestor Aurelius eingesetzt worden. Aurelius hatte damals die Mehrheit an der AG von den heillos zerstrittenen Familienstämmen übernommen.

Fürs Ausland braucht die Firma international taugliche Produkte

Blaschak schloss die Produktionslinie auf dem historischen Hof und zentralisierte so die Brennerei im benachbarten Meppen. Anschließend sortierte er ein knappes Drittel der Produkte aus. „Wir produzieren nicht mehr um jeden Preis Ware, mit der wir kein Geld verdienen“, begründet er den stetigen Umsatzrückgang, allein in den ersten drei Quartalen 2010 von 130,1 Millionen Euro auf 116,7 Millionen Euro. Seit 2007 sank die Zahl der Mitarbeiter von 717 auf deutlich unter 500.

Jetzt plant Blaschak die Rückkehr zum Wachstum. „Das ist eine schwere Aufgabe, für die man sich Zeit geben muss“, sagt er. Potenzial sollen Indien und China bieten, neben europäischen Nachbarn bleiben zudem die USA im Fokus. In Indien erwägt Blaschak sogar ein Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion, um die hohen Zölle zu umgehen, die den Preis für eine Flasche Berentzen im Laden nach oben treiben. Bislang vertreibt Berentzen lediglich zusammen mit lokalen Partnern auf den Auslandsmärkten, vor allem über die Gastronomie. 22,6 Prozent des Umsatzes mit Markenspirituosen kommt aus dem Ausland.

Um hier stärker zu werden, sollen neue Produkte international tauglich sein. Bei Neuentwicklungen werde Berentzen 2011 verstärkt extern produzieren lassen und in Meppen lediglich abfüllen, sagte Blaschak. Über die Hälfte der Neuheiten werde so entstehen. Einige der neuen Produkte seien typische Auslandsprodukte, zudem reduziere sich so das Risiko, sagt Blaschak. Auch Zukäufe von Firmen schließt er nicht aus: „Wenn’s passt, machen wir das.“ Drängen lassen wolle er sich nicht. „Wir brauchen keine schnelle Börsenstory“, sagt er. 80 Prozent der Stammaktien hält Aurelius, insgesamt 54 Prozent des Grundkapitals.

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  • Campari, Ramazotti, Jägermeister, Berentzen B2 - na denn Prost!

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