Bernd M. Müller
Der Seemann mit Sinn für Ästhetik

Erst war Bernd M. Müller Schiffsingenieur, dann wechselte er Vertriebsleiter zu einer Klimatechnik-Firma. Doch statt nur mit Heizkörpern zu handeln, begann er 1989 mit einer eigenen Produktion. Heute sind seine einzigartigen Designer-Stücken weltweit bekannt.

KÖLN. Als Bernd M. Müller am ersten April 1979 mit seiner Firma startete, nahm er sich erst einmal zwei Wochen Urlaub: „Das glaubt mir meistens keiner“, sagt der Gründer der Bemm GmbH mit Sitz im niedersächsischen Giesen. Die Auszeit nach den monatelangen Gründungsvorbereitungen gönnte sich Müller aus Überzeugung, noch heute versucht er, im Urlaub völlig abzuschalten: „Unternehmer zu sein ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Aber um leistungsfähig zu bleiben, braucht man Ruhephasen“, sagt Müller. „Im Urlaub bleibt das Handy und der Laptop aus, diese Zeit gehört ganz allein meiner Familie und mir.“

Der gebürtige Hamburger ist Gründer und Inhaber eines Heizkörper-Herstellers. Mit dem Begriff Heizkörper kann Müller aber nichts anfangen: „Viel zu klinisch.“ Also gab er seinen Produkten kurzerhand einen neuen Gattungsnamen: „Wir stellen Bad- und Raumwärmer her“, sagt der Bemm-Chef. Und zwar im oberen Mittelklassesegment und für Luxusgebäude. Seine Heizkörper tragen klingende Namen lateinamerikanischer Tänze: Samba, Salsa und Tango. Einen Tick extravagant kommen die Bad-Wärmer daher, man sieht auf den ersten Blick, dass hier ein Ästhet am Werk war.

Entworfen hat die Luxus-Heizkörper der Chef selbst. Dem gelernten Ingenieur kam die Idee zu den Serien im Brasilien-Urlaub, am Frühstückstisch: Schon lange zuvor hatte Müller den Wunsch, seinen Bad-Wärmern nicht nur Funktion sondern auch Form zu geben. Deshalb auch die Namen der Tanzstile.

Auf der internationalen Sanitär- und Heizungsmesse ISH in Frankfurt im Jahr 2007 stellte Müller seine Luxus-Heizkörper zum ersten Mal vor: Bad-Wärmer Samba tritt mit farbenfrohem Lichtpaneel an, Salsa glänzt mit einer LED-Sternenleiste. Außerdem mit am Messestand: Der puristische Heizkörper „Fingertipp“, gestaltet vom Metallkünstler und niedersächsischen Staatspreisträger Peter Schmitz. Der hat einen überdimensionalen Fingerabdruck mittels elektrolytischen Polierverfahrens behutsam in die Oberfläche aus fein geschliffenem und matt gebürstetem Edelstahl eingearbeitet. Heute stellt Bemm unter dem Seriennamen „Kunstvoll heizen“ eine ganze Reihe von Raumwärmern her, die von internationalen Künstlern gestaltet werden und einen Raum wie Bilder oder Skulpturen verschönern sollen.

Obwohl Müller selbst Entwürfe neuer Heizkörper zeichnet, ist der Firmen-Chef kein ausgebildeter Produktdesigner. Sondern Seemann: Als junger Mann macht er die langwierige Ausbildung zum Schiffsingenieur bei der christlichen Seefahrt. Von seiner Heimatstadt Hamburg aus schaute sich Müller die Welt an. Sieben Jahre lang verbrachte er abwechselnd auf See und an Land und bildete sich parallel via Fernstudium kaufmännisch weiter. Am Ende seiner Lehre blieb Müller dann doch auf festem Boden und bewarb sich um eine Stelle als Vertriebsleiter bei der Hildesheimer Vama Euroklima GmbH.

Die Gebäudetechnikbranche hat Müller nicht bewusst gewählt. „Ich wollte nur nicht als Ingenieur am Zeichenbrett arbeiten, sondern im Vertrieb anfangen.“ Weil er sich als Schiffsingenieur ohnehin mit Wärme und Energie auskannte, bekam Müller die Stelle an der Spitze des Heizkessel-Vertriebs von Vama und zog nach Hildesheim. Schon beim Vorstellungsgespräch erkundigte sich der Hamburger nach Beteiligungsmöglichkeiten. Als die in Aussicht gestellte Beteiligung aber nicht zustande kam, wagte Müller 1979 den Sprung in die Selbstständigkeit.

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