Berufsstart ist hart
Deutsche Architekten zieht es nach China

Ein Praktikum in Berlin für 100 Euro oder eine feste Stelle in Peking für 400 Euro im Monat? Ina Brink überlegt nur kurz, als sie im Internet auf das Stellenangebot eines chinesischen Architekten stößt. „Ich habe telefoniert, wenig später bin ich los“, erzählt die 32-Jährige. Ihr Flugticket zahlen die Eltern, kurz darauf sitzt sie im Flugzeug.

HB SCHANGHAI.Ina Brink ist nicht die einzige deutsche Architektin, die ihr berufliches Glück in China sucht. Im Gegenteil: Das riesige Reich im Fernen Osten lockt immer mehr deutsche Architekten, die hier zu Lande keinen Job finden, in China aber heiß begehrt sind. Gerade der Nachwuchs hat hier angesichts der Schwäche des deutschen Immobilienmarkts keine guten Jobchancen, während in China allerorten neue Hochbahnen, Flughäfen, Stadien, Einkaufszentren, Wohnsiedlungen und Gewerbeparks entstehen. Allein in der Olympia-Metropole Peking gibt es 20 000 Baustellen.

Etwa drei Viertel der 200 internationalen Toparchitekten sind mit eigenen Büros bereits vor Ort vertreten. Die Deutschen kamen erst spät, weil sie noch lange vom Bauboom nach der Wiedervereinigung zehrten.

Der Start für die jungen Neuankömmlinge in Schanghai oder Peking ist meist hart: „Ich habe in den ersten drei Monaten nur die Straße gesehen, in der meine Wohnung und das Büro lagen“, erzählt Brink. Schwierig gestaltete sich auch die Arbeit im Büro. „Nur ein Kollege konnte Englisch. Und der Chef war beratungsresistent“, berichtet sie beim Essen in einem kleinen Restaurant. Eine Hand voll Plastiktische, ein Aquarium mit Speisefischen, verrauchte Luft, von draußen dringen der Autolärm und Gestank herein, Brink zieht an einer Zigarette, erzählt von ihren ersten Wochen. Innerhalb von drei Monaten ist der chinesische Mitarbeiterstamm komplett ausgewechselt. Eine Kollegin muss gehen, weil sie sich weigert, mit den Geschäftspartnern Schnaps zu trinken.

Brink kämpft. Sie will ihre Chance nutzen. Sie kommt aus Forsten, einer alten Textilstadt im Osten Deutschlands. Mit 16 erlebt sie den Fall der Mauer und das Sterben der heimischen Textilindustrie. Sie macht eine Banklehre, studiert dann Architektur.

Ein halbes Jahr hält die Deutsche es in dem chinesischen Büro aus. Dann wechselt sie zu den österreichischen Architekten Baumschlager Eberle. „Das war die Erlösung“, sagt sie. Jetzt hat sie hier eine große Verantwortung. Stolz zeigt sie in eine Baugrube. Es ist dunkel, in der Tiefe sind einige Dutzend Arbeiter zu sehen, gelbe Schutzhelme blitzen auf. Lastwagen ächzen über Schlaglöcher. Die Arbeit auf der Baustelle läuft rund um die Uhr.

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