Beteiligungen
Investor kann beim Wachstum helfen

Mit dem Einstieg des Beteiligungsfonds BWK hat der Hersteller von Babynahrung Sunval zugleich auch sein Nachfolgeproblem gelöst - und will nun kräftig wachsen. Bis 2010 soll der Umsatz verdoppelt werden. Das Finanzierungsmodell könnte zum Vorbild für andere Mittelständler werden.
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FRANKFURT. Eigentlich ist Sunval schon wegen seiner Produkte ein Experte in Sachen Wachstum - das Unternehmen stellt Bio-Babynahrung her. Die in den 50er Jahren gegründete Firma konnte dies lange Zeit unter Beweis stellen. Doch irgendwann stand für Alleingesellschafter Ralph Philipps vor allem die Suche nach einer Nachfolgelösung im Mittelpunkt. "Der Familienunternehmer wollte die Firma einfach in gute Hände geben", sagt Armin Schuler, Chef der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft BWK. Für die Stuttgarter ein idealer Fall: "Wenn jemand gesucht ist, der ein Unternehmen langfristig fortführt, ist die BWK der richtige Partner", fügt sein Geschäftsführungskollege Matthias Heining hinzu. Heute ist klar: Mit dem Einstieg des Investors hat Philipps im Oktober 2008 nicht nur eine Nachfolge gefunden, sondern auch die Basis für eine kräftige Expansion von Sunval gelegt.

Anders als viele angelsächsische Fonds beansprucht die BWK bei ihren Engagements nicht die Mehrheit an einem Unternehmen. Minderheiten sind durchaus erwünscht, wenn sie eine stabile Ausschüttung ermöglichen. Bei Sunval ist die 1990 gegründete BWK letztlich eine Zwischenform eingegangen. Die Schwaben halten zunächst nur 40 Prozent. Mittelfristig ist die Aufstockung auf über 50 Prozent geplant. Die Entscheidung, den Gründer vorerst mit an Bord zu lassen, hat handfeste Vorteile. Der Altgesellschafter kann weiter sein Netzwerk einbringen, von dem das Unternehmen profitiert. "Wir wahren damit Kontinuität", sagt Schuler.

Binnen eines Jahres hat sich mit der Expertise des neuen Eigentümers und dessen Kapital einiges getan. So konnte Sunval Produktion und Kunden zweier Wettbewerber übernehmen. Mit dem Geschäft von De-Vau-Ge und der schweizerischen Hochdorf Holding erhält das Unternehmen aus Waghäusel bei Mannheim eine völlig neue Dimension. "2010 erwarten wir für Sunval mit den Übernahmen einen Umsatz von insgesamt 35 Mio. Euro - doppelt so viel wie für das laufende Jahr anvisiert wird", sagt Heining.

Und damit dürfte keineswegs das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Denn wie andere Investoren prüft BWK vor einem Einstieg eingehend den Markt. "Es muss Wertsteigerungspotenzial vorhanden sein", erklärt Heining. Bei Sunval war dies der Fall - nicht nur, weil der Markt bislang noch relativ zersplittert ist. Sondern auch, weil das Unternehmen im Wesentlichen nur in Deutschland aktiv war. "Sunval ist im Ausland praktisch noch nicht präsent, hier sehen wir auch langfristig Wachstumsmöglichkeiten", fügt Heining hinzu.

Zeit genug, diese zu nutzen, dürfte die BWK auf alle Fälle haben: Die Haltedauer von Investments kann durchaus die Marke von zehn Jahren überschreiten. Der Grund: Während die meisten klassischen Private-Equity-Häuser auf geschlossene Fonds setzen, nutzt die BWK eine so genannte Evergreen-Struktur. Das bedeutet: Es besteht kein Zwang, nach einigen Jahren die Beteiligung zu verkaufen, weil ein Fonds ans Ende seiner Laufzeit gerät. Umgekehrt können zur Kapitalbeschaffung stets neue Anteile ausgegeben und damit neue Mittel eingesammelt werden.

Möglich ist das durch eine klare und vor allem beständige Gesellschafterstruktur. Größte Anteilseigner der BWK sind die Landesbank Baden-Württemberg mit 45 Prozent und die Wüstenrot & Württembergische AG mit 35 Prozent. Im Mittelstand scheint das Konzept anzukommen. Mehr als 20 Nachfolgelösungen haben die Schwaben nach eigenen Angaben bislang unterstützt. Insgesamt wurde seit der Gründung in rund 50 Unternehmen investiert.

Derzeit bekommen die BWK-Manager wegen der Krise deutlich mehr Anfragen auf den Tisch. "Der DealFlow hat sich sicherlich um 30 bis 40 Prozent erhöht", sagt Schuler. Ein Grund hierfür ist die Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Krediten. Hinzu kommt, dass gewisse Finanzierungsformen wie beispielsweise Standard-Mezzanine komplett vom Markt verschwunden sind. Für die BWK eine Chance. "Wir prüfen derzeit mehrere Engagements", sagt Schuler. "Ob es 2009 noch klappt, ist offen, aber spätestens im kommenden Jahr werden Sie von uns hören."

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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