Beteiligungsgesellschaften
Private Equity: Die Krisengewinnler

Derzeit knausern die Banken mit ihrem Geld. Finanzinvestoren nutzen laut einer Studie die Gunst der Stunde. Sie versorgen Mittelständler mit frischem Kapital und werben um Vertrauen. Aber die ungeliebte Branche übt sich auch in Selbstkritik.

HB DÜSSELDORF. Finanzinvestoren sind zuversichtlich, gestärkt aus der Krise zu gehen. Besonders diejenigen, die sich auf Beteiligungen in mittelständischen Unternehmen spezialisiert haben. Das geht aus einer Umfrage des Beratungsunternehmen Rödl & Partner hervor. Für die Studie wurden rund 300 Beteiligungsgesellschaften, die in Deutschland tätig sind, befragt.

Die überwältigende Mehrheit von 91 Prozent bewertet demnach das Finanzierungsverhalten der Banken als restriktiver. Daher müssen sich Unternehmen nach neuen Quellen umsehen, um Projekte zu finanzieren. Laut der Studie macht die steigende Nachfrage nach Eigenkapital Mittelständler zugänglich für Finanzinvestoren.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es sich in Krisenzeiten besonders erfolgreich investieren lässt. Die Studie von Rödl & Partner belegt diesen Trend: Fast 60 Prozent der befragten Beteiligungsgesellschaften wollen noch in diesem Jahr mindestens drei neue Beteiligungen eingehen.

Die Branchenzugehörigkeit ist ein wichtiges Kriterium für die Attraktivität eines Unternehmens. Besonders beliebt sind unter den Investoren die Branchen Umwelttechnologie, Medizintechnik und Elektronik. Schwer haben es hingegen Unternehmen in den Branchen Textil, Fahrzeugbau und Nahrungsmittel.

Auch der Standort eines Unternehmens entscheidet über dessen Chancen bei Finanzinvestoren. Ein Drittel der Befragten sieht Bayern auf Platz Eins, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Der Fokus des investierten Geldes liegt insgesamt ganz klar auf den alten Bundesländern. Dieses Ranking ergibt sich aus einer Vielzahl von Gründen. Viele der befragten Unternehmen haben sich beispielsweise in ihrem Statut regional eingeschränkt. Andere haben sich auf Investitionen in bestimmte Technologien spezialisiert, die in Ballungsgebieten Cluster gebildet haben.

Die Studie kommt zu dem Fazit, dass die Branche in Krisenzeit auch über sich selbst nachgedacht hat. Die Finanzinvestoren wollen die restriktive Kreditvergabe der Banken nutzen, um im Mittelstand für mehr Glaubwürdigkeit zu werben. Dies schließt auch längere Laufzeiten der Beteiligungen ein. So plant kaum einer der Befragten noch Engagements, die weniger als drei Jahre laufen.

In der Kritik stehen der Standort Deutschland und dessen Rahmenbedingungen für die Private Equity-Industrie. Besonders die Besteuerung der Gewinne aus Unternehmensverkäufen verärgern die Investoren. Sie sehen darin Nachteile im Vergleich zu den USA oder anderen europäischen Ländern. Auch das Wagniskapitalbeteiligungsgesetz gilt eher als enttäuschend.Laut Studie geht es zwar in die richtige Richtung, bleibt aber hinter den Erwartungen der Branche zurück.

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