Beteiligungsgesellschaften
Überhitzung befürchtet

Ob Runners Point oder Jack Wolfskin, Märklin oder Etrena – Beteiligungsgesellschaften als Anteilseigner sind bei größeren mittelständischen Unternehmen mittlerweile keine Ausnahme mehr. Im vergangenen Jahr kauften Beteiligungsgesellschaften nach Angaben der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) für rund vier Mrd. Euro 34 Unternehmen im Wert zwischen 50 Mill. und 250 Mill. Euro. Im Jahr zuvor waren es 25 Firmen. Jetzt warnen Marktteilnehmer vor einer Übertreibung.

FRANKFURT. Die auf mittelständische Beteiligungen spezialisierte Hannover Finanz Gruppe beobachtete im vergangenen Jahr deutlich gestiegene Preise für die Unternehmen. „An dieser Marktüberhitzung haben wir uns nicht beteiligt“, sagte Vorstandsvorsitzender Albrecht Hertz-Eichenrode gestern auf der Hannover Messe. Mittlerweile würden Preise gezahlt, die dem Zehnfachen des operativen Gewinns entsprächen, vor drei Jahren sei nur das Sechs- bis Siebenfache gezahlt worden. Hauptgrund sei der Anlagedruck der Finanzinvestoren. Dieser werde noch dadurch verstärkt, dass frühere Immobilien- und Schiffsfinanzierer jetzt in den Private-Equity-Markt drängten.

Hannover Finanz, derzeit an rund 50 Unternehmen beteiligt, darunter mit 75 Prozent an der Karstadt-Quelle-Abspaltung Runners Point, hatte zuletzt die Heissner AG, einen Hersteller von Gartendekoration und Teichzubehör, aus dem Besitz eines chinesischen Investors gekauft. Philipp Jacobi, Managing Partner bei dem Mittelstandsinvestor Quadriga Capital, der mit seinem aktuellen Fonds 525 Mill. Euro für Investitionen in Deutschland zur Verfügung hat, erwartet für dieses Jahr einen trotz der gestiegenen Preise einen ähnlich hohen Dealflow auf dem Niveau des Vorjahres.

Auch Jacobi sagt, dass das Preisniveau bei mittelständischen Unternehmen gestiegen sei, wenn auch nicht ganz so stark wie bei großen Konzernen. Bei rasch wachsenden Firmen sei dies jedoch teilweise gerechtfertigt. „Sie finden immer noch sehr interessante Firmen.“

Mehr als der Investitionsdruck der Beteiligungsgesellschaften sei die Bereitschaft der Banken zur Finanzierung solcher Akquisitionen in Deutschland deutlich gestiegen, meint Günther Niethammer vom Berliner Investor Odewald & Compagnie. Das lasse bei vielen Akteuren den Anteil der Fremdfinanzierung steigen. Mittlerweile finanzierten die Banken bei großen Deals die Übernahmen mit bis zu 80 Prozent Fremdkapital, meint Hertz-Eichenrode. Odewald, dessen dritter Fonds rund 600 Mill. Euro investieren soll, geht Niethammer zufolge hingegen nicht über 60 Prozent hinaus.

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