Beteiligungsmanager
Neue Kapitalgeber für den Mittelstand

Seit Beginn der Finanzkrise sind die milliardenschweren Megafonds für Firmenübernahmen in Schwierigkeiten. Doch bei kleinen und mittelgroßen Kapitalgebern finden Mittelständler oft noch genug Investitionskapital. Vor allem Beteiligungsmanager aus dem öffentlich-rechtlichen Finanzverbund setzen auf die Nähe zum Kunden und regionale Verwurzelung.

FRANKFURT. Wenn von Private Equity für den Mittelstand die Rede ist, dann versteht man darunter meist Beteiligungskapital von angelsächsischen Fonds oder europäische Geldtöpfe, hinter denen institutionelle Investoren stehen. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Beteiligungsgesellschaften mit öffentlich-rechtlichem Hintergrund, die in der Finanzkrise als Partner für Unternehmen und Gründer zur Verfügung stehen. "Als regionaler Investor sprechen wir auch in der aktuellen Phase mit mittelständischen Unternehmern aus nahezu allen Branchen", sagt Horst Gier, Vorstand der S-UBG AG, einer Unternehmensbeteiligungsgesellschaft für die Regionen Aachen, Krefeld und Mönchengladbach.

Der Finanzierer erfährt nach eigenen Angaben auch im Feld der innovativen jungen Unternehmen eine ungebrochene Nachfrage nach Startkapital - im Fachjargon der Wagnisfinanzierer heißt das "Seed Capital" und "Venture Capital". Auch hier ist das Spektrum der Nachfrage für Mittel zur Technologieförderung relativ breit: Es reicht von Medizintechnik über Medien, Internet-Services und Software bis hin zur Biotechnologie. Der 2007 zusammen mit dem Förderinstitut NRW-Bank und Privatinvestoren aufgelegte "Seed Fonds für die Region Aachen" konnte 2008 seine ersten sechs Beteiligungen abschließen.

Die teilweise negativen Schlagzeilen über Schwierigkeiten der milliardenschweren Megafonds für Firmenübernahmen ("Buyouts") verstellen oft den Blick dafür, dass bei den kleineren und mittelgroßen Kapitalgebern eigentlich genug Geld vorhanden ist. "Die deutschen Mittelständler müssen es nur weiter lernen, sich für Eigenkapital dieser Partner zu öffnen", sagt S-UBG-Chef Gier.

Die S-UBG ist eine Beteiligungsgesellschaft im Verbund der Sparkassen-Finanzgruppe, mehrere Sparkassen aus der Region stellen den Managern das Kapital zur Verfügung. Die Gruppe war Mitte 2009 an 40 Unternehmen in der Region beteiligt und nahm damit einen Spitzenplatz im öffentlich-rechtlichen Finanzverbund ein.

Gier nennt als einen der Vorteile, dass die Geldgeber auf einen "Evergreen-Fonds" zurückgreifen könnten, dadurch sei der Druck, die Beteiligungen schnell zu drehen oder wieder zu veräußern, geringer. Die S-UBG trete auch stets nur als Minderheitsgesellschafter ein, andere Fonds am Markt haben sich dagegen auf vollständige Übernahmen spezialisiert. Ferner gibt es für Gier auch noch weiche Faktoren, die seine Gesellschaft in die Waagschale werfen kann. "Aus unserer regionalen Konzentration ergeben sich Nähe, Vertrautheit, gemeinsame Sprache und ein spezialisiertes Netzwerk.

Auf die Frage, ob ein Rückzug anderer Private-Equity-Häuser in der Finanzkrise zu spüren sei, gibt sich Gier zurückhaltend. Für die zurückliegenden Jahre könne er feststellen, "dass wir viele Private-EquityFonds haben kommen und gehen sehen." Aus Sicht der öffentlich-rechtlichen Beteiligungsmanager ergeben sich für die kommenden Monate folgende Tendenzen. Einmal habe das Krisenmanagement weiterhin oberste Priorität. Besorgt zeigen sich führende Sparkassenmanager vor allem über eine mögliche Knappheit an Eigenkapital im kommenden Herbst und Frühjahr, wenn die Rezession mit voller Wucht in der Güterwirtschaft ankommt. Allerdings nutzen laut Gier starke Unternehmen die Situation und richten sich parallel strategisch neu aus, sie machten sich fit für den nächsten Aufschwung. Daraus würden sich interessante Anknüpfungen für Beteiligungsgespräche ergeben. Deutlich leite sich zunehmender Handlungsbedarf aus der Tatsache ab, dass die in den vergangenen Jahren in Anspruch genommenen Standard-Mezzanine-Finanzierungen jetzt auf ihre Fälligkeiten zusteuerten und der Markt für diese standardisierten Refinanzierungen weggebrochen sei. Mezzanine-Finanzierungen stehen zwischen dem Eigen- und Fremdkapital und waren vor der Finanzkrise von vielen Banken angeboten worden.

Zu den wichtigsten Kriterien für ein Investment gelten bei der S-UBG neben einem kompetenten Management auch eine erstklassige Wettbewerbsposition sowie ein strategisches Unternehmenskonzept. Die Beteiligungsgruppe erzielte 2008 einen Jahresüberschuss von 4,6 Mio. Euro, zum Jahresende waren 39,4 Mio. Euro in 34 Unternehmen investiert.

Der gesamte deutsche Private Equity-Markt konnte sich auch im zweiten Quartal 2009 nicht von den Auswirkungen der Krise abkoppeln. Nach Angaben des Fachverbands BVK blieben die Investitionen mit 280 Mio. Euro um fast 90 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Geprägt sei der Markt von einer "deutlichen Investitionszurückhaltung."

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