Betonbranche
Schwing baut Personal ab

Ein weiteres Opfer der Finanzkrise? Alles deutet daraufhin: Beim Betonmaschinen-Hersteller Schwing aus Herne ist der Umsatz massiv eingebrochen. Das Unternehmen zieht die Notbremse und reagiert auf den Einbruch mit Sparkurs - hunderte von Jobs sind bedroht.
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DÜSSELDORF. Der Betonmaschinen-Hersteller Schwing aus Herne ist mächtig ins Schleudern geraten. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise ist der Umsatz des weltweit führenden Systemanbieters für Transportbetontechnologie um 65 Prozent eingebrochen. Gerhard Schwing, geschäftsführender Gesellschafter, hat daher die Notbremse gezogen. Hunderte Jobs sind bedroht, obwohl die 900 Mitarbeiter am Stammsitz auf das Weihnachtsgeld in diesem und im nächsten Jahr verzichten und auch nach 2009 für 2010 Kurzarbeit beantragt werden soll.

Gespräche mit Banken und der Gewerkschaft IG Metall laufen. "Schwing ist ein Opfer der Finanzkrise", meint Eva Kerkemeier von der IG Metall Herne. Die Geschäftsführung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Über 1 000 Arbeitsplätze hat Schwing bereits im Ausland abgebaut. Vor allem in den USA und China sind die Baumärkte regelrecht zusammengebrochen. Auch auf Leiharbeiter wurde inzwischen weitgehend verzichtet. Derzeit zählt Schwing noch 2200 Beschäftigte in der Gruppe, davon 900 in Herne. Mitte 2008 sei Schwing in die Krise geraten, so Kerkemeier. Eine Insolvenz befürchtet sie nicht: "Wir hätten sonst keine Gespräche über die Kürzung des Weihnachtsgelds geführt."

Laut Bundesanzeiger erzielte Schwing in der Gruppe im Jahr 2007 einen Umsatz von knapp 820 Mio. Euro, knapp 330 Mio. Euro steuerte die Schwing GmbH in Herne bei. Der Auslandsanteil am Umsatz liegt bei 85 Prozent. Der Jahresüberschuss in der Gruppe betrug 25 Mio. Euro, der der GmbH 2,9 Mio. Euro.

Seit 1982 liefert das 1934 gegründete Unternehmen die gesamte Bandbreite der Transportbetontechnologie von der Herstellung über Transport und Verteilung bis zur Restbetonaufbereitung. Gerhard Schwing ist einer von zwei Söhnen des Gründers, die 1980 das Unternehmen übernahmen. Ende der 90-er Jahre kam es zum Streit. Schwing stand kurz vor dem Verkauf. Mit Hilfe von Banken, einer Landesbürgschaft und Privatvermögen gelang es Gerhard Schwing, die Anteile seines Bruders zu kaufen. Technologisch wurde der Grundstein für den Erfolg 1957 mit der ersten serienreifen ölhydraulischen Zweizylinder-Betonpumpe gelegt, die weltweit Standard wurde.

Die Herner sind im Besitz eines Weltrekords. Beim Bau des "Taipeh 101" im Jahr 2003, des 500 Meter hohen Hochhauses in der Hauptstadt von Taiwan, sorgten Pumpen von Schwing dafür, dass der Beton über 450 Meter in die Höhe transportiert wurde. Höher pumpte zuvor noch niemand den zähen Baustoff.

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