Betriebliche Altersvorsorge
Mit der Rente droht der Ruin

Noch immer besteht ein Großteil der betrieblichen Vorsorge von mittelständischen Firmen aus direkten ungedeckten Zusagen an Arbeitnehmer, die das operative Geschäft belasten. Unternehmensberater empfehlen den Firmen deshalb dringend eine Bestandsaufnahme, um die Systeme auf die demographischen Bedingungen einzustellen. Ansonsten kann es eng werden für mittelständische Unternehmer.

FRANKFURT. Wenn in fünf Jahren ein gewichtiger Teil der Pensionszusagen fällig werde, weil die begünstigten Arbeitnehmer in Rente gehen, drohe vielen Unternehmen die Insolvenz, sagt Georg Harle, Betriebsprüfer beim Finanzamt Frankfurt. Grund: Für deren Pensionszusagen stünden zu wenig Deckungsmittel zur Verfügung. Die Lasten müssten aus dem operativen Geschäft geleistet werden, es drohten Illiquidität oder Überschuldung, meint er. Nach seiner Einschätzung bestehen nach wie vor mehr als 40 Prozent der Pensionsverpflichtungen bei den deutschen Kapitalgesellschaften im Mittelstand aus zukünftigen Zusagen über feste Leistungen an Mitarbeiter. „Davon sind rund zwei Drittel nicht gedeckt oder rückversichert“, sagt Harle.

Die größten Löcher sieht Jürgen Helfen, Vorstand der auf Altersvorsorge spezialisierten Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin, dort, wo Geschäftsführer und Manager immense feste Ansprüche erworben haben.

Diese Ansprüche durchziehen die Belegschaften mit 100 bis 1 000 Mitarbeitern aber nicht so breit wie in den Großkonzernen. Zwar sind ein Großteil der Pensionsverpflichtungen Direktzusagen. Doch schaut man auf die Zahl der Betriebe, herrscht die Direktversicherung vor, in die Arbeitnehmer überwiegend selbst einzahlen (siehe Grafik).

94 Prozent der Mittelständler bieten ihren Beschäftigten laut einer Umfrage eine Vorsorge an. Ein Drittel habe sein Altersvorsorge-Problem bereits gelöst, ein weiteres Drittel beschäftige sich damit, sagt Helfen. Der Rest, der das „Thema weggeschoben hat“, sollte handeln, warnt der Berater. Für einen kleinen Teil könnten die Pensionen sonst existenzbedrohend sein. „Grund zur Panik“ sieht er jedoch nicht, da es Lösungen für diese Probleme gebe.

Grundsätzlich macht nach Erfahrung der Berater für viele Mittelständler Sinn, was Großkonzerne bereits seit Jahren tun: Sie frieren feste Zusagen ein und wandeln ihre Altersvorsorge in ein System um, das Beiträge statt Renten-Leistungen garantiert. Den getätigten Zusagen stellen sie Vermögen gegenüber, das sie aus den Bilanzen auslagern.

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