Betriebliche Altersvorsorge
Mittelstand geizt mit Betriebsrenten

Im Mittelstand bietet nur etwa die Hälfte der Unternehmen ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung (bAv) an. Das hat eine Umfrage ergeben. Besonders kleinere Unternehmen fühlen sich schlecht informiert über die betriebliche Altersvorsorge.

DÜSSELDORF. Im Mittelstand bietet nur etwa die Hälfte der Unternehmen ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung (bAv) an. Ihr Mittel der Wahl ist zu mehr als 70 Prozent die Direktversicherung, also die Lebensversicherung, die der Arbeitgeber für seinen Mitarbeiter abschließt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage bei rund 500 Unternehmen mit fünf bis 100 Mitarbeitern, die das Marktforschungsinstitut Psychonomics im Auftrag der Allianz Lebensversicherung durchgeführt hat. Großunternehmen bieten ihren Mitarbeitern nach Aussage der Allianz dagegen zu rund 98 Prozent eine Altersvorsorge an.

Die Umfrage, die dem Handelsblatt vorliegt, belegt ferner, dass der Beratungsbedarf im Bereich bAv enorm ist. „82 Prozent der Unternehmen wünschen nähere Erläuterungen zu steuerlichen Auswirkungen“, schreibt Psychonomics. Sebastian Uckermann, gerichtlich zugelassener Rentenberater für die bAv und Geschäftsführer der Kenston Pension GmbH, kritisiert aber, die Versicherer seien mehr am Verkauf als an der Aufklärung der Kunden interessiert.

Die Qualität der Beratung ist jedoch meist gar nicht ausschlaggebend für die Wahl des Rentenanbieters, wie die Umfrage ergibt. Denn fast alle Unternehmer und ihre Mitarbeiter entscheiden sich für den Anbieter, bei dem ihrer Meinung nach die Rentenbeiträge am sichersten aufgehoben sind. Der Sicherheitsaspekt hat in der Altersvorsorge allgemein stark an Bedeutung gewonnen, seitdem die Krise an den Kapitalmärkten (2001 bis 2003) den Sparern einen Strich durch die Altersvorsorge-Rechnung gemacht hat. Die Nachwehen der Krise sind noch heute zu spüren: Wie die Gewinnbeteiligung in den klassischen Lebensversicherungen haben die Anbieter damals auch die Rentenanwartschaften gekürzt.

Das Gleiche gilt für die Verzinsung derjenigen Versicherungen, die zur Absicherung von Pensionszusagen abgeschlossen werden. Auch hier sind den Kunden ursprünglich höhere Beträge in Aussicht gestellt worden, als nach heutigem Wissensstand angemessen ist. Dadurch entstehen Unterdeckungen – die Pensionen sind nicht mehr in voller Höhe abgesichert. „Die Unterdeckung der Versorgungszusagen ist bei kleinen Firmen besonders gravierend“, sagt Berater Sebastian Uckermann. „Die Einbußen treffen besonders Gesellschafter-Geschäftsführer, die ihre eigene betriebliche Versorgungszusage mit Hilfe einer solchen Rückdeckungs-Police abgesichert haben“, sagt Hans-Lorenz Petersen, Unternehmensberater für bAv. Oft hätten diese Geschäftsführer keine Rente vom Staat zu erwarten, und ihre betriebliche Versorgung fällt auch nicht unter den Schutz des Pensionssicherungsvereins (PSV), der normale Betriebsrenten gegen Insolvenzen schützt.

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