Betriebsnachfolgen ohne Kapital
Retter in der großen Geldnot

Viele Betriebsnachfolgen scheitern an zu knappen Finanzmitteln. Mezzanines Kapital kann dieses Problem oft lösen.

HAMBURG. In etwa 380 000 deutschen Unternehmen steht in den kommenden fünf Jahren eine Übergabe des Geschäfts aus Altersgründen an. Doch etwa 70 Prozent dieser Firmen, so hat das Institut für Mittelstandsforschung ermittelt, haben keine Strategie für die Regelung der Nachfolge. Auch die mangelnde Kapitalausstattung der Nachfolger ist ein Problem. Ein Rettungsring kann eine Mezzanine-Finanzierung sein.

Lars Reeder ist Wirtschaftsingenieur. Der 46-Jährige war über ein Jahrzehnt lang in den Geschäftsführungen verschiedener Unternehmen tätig, bei General Electric, beim Maschinenbauer Körber und bei Heidelberger Druckmaschinen. Als Reeder Anfang 2005 einen kleinen, gesunden Betrieb suchte, um ihn zu übernehmen und in Eigenregie zu führen, stieß er auf die Hamburger Firma Hein & Oetting Feinwerktechnik. Die fertigt Einzelteile, Baugruppen und zertifizierte Produkte wie Kreisel für die Navigationstechnik. Die beiden Firmengründer, damals 68 und 62 Jahre alt, wollten sich zur Ruhe setzen.

Um den Kaufpreis für den Betrieb finanzieren zu können, holte Lars Reeder sich als Finanzpartner die Haspa BGM, die Beteiligungstochter der Hamburger Sparkasse, ins Boot. Die bewilligte dem angehenden Firmenchef rund 25 Prozent des Kaufpreises als Mezzanine-Finanzierung. Hinzu kam eine Kreditausfallgarantie der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg.

Nach der Übernahme durch Reeder stieg die Zahl der Mitarbeiter um zwölf auf heute 56 und der Umsatz von 4,3 auf sechs Mill. Euro. Der neue Eigentümer hat den Betrieb als Spezialist für Produkte mit überdurchschnittlichen technischen Anforderungen und hoher Präzision positioniert, der als verlängerte Werkbank von Großunternehmen aus der Luft- und Schifffahrt, der Medizin- und Lasertechnik auch Outsourcing-Projekte übernimmt. „Kaum ein potenzieller Nachfolger hat genügend Eigenkapital, um die Firma, die er übernehmen möchte, zu erwerben. Und nicht selten ist das Eigengeld so gering, dass die Banken ihm auch kein Darlehen in ausreichender Höhe gewähren können“, sagt Carsten Röhrs. Er weiß, wovon er spricht. Der Geschäftsführer der Haspa BGM springt immer häufiger bei Nachfolgeregelungen mit Mezzanine-Finanzierungen in die Bresche. „Noch schenken viele Übernahme-Interessenten diesem Finanzierungsinstrument zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei ist es eine der wenigen Möglichkeiten, nicht nur das Eigenkapital zu stärken, sondern gleichzeitig auf Dauer Herr im eigenen Haus zu bleiben.“

Mezzanine ist eine hybride Finanzierungsart, die je nach Ausgestaltung sowohl Charakteristika des Eigen- als auch des Fremdkapitals aufweist. Das ermöglicht individuelle Finanzierungskonzepte. Weil diese nachrangige Finanzierungsform die Eigenmittelquote erhöht, wird der Handlungsspielraum des Unternehmers größer.

„Mezzanine ist ein wichtiger Baustein im Rahmen von Nachfolgeregelungen“, betont auch Ronald Grott von der Nord Holding in Hannover. „Wir schließen damit häufig die Lücke zwischen dem vorhandenen Eigenkapital und den gewährten Bankmitteln.“ Erfolgreich wurden Nachfolgeregelungen mit Mezzanine beispielsweise beim Hersteller von Drahtgestrick-Produkten Rhodius in Weissenburg, beim Freizeitbäderbetreiber GMF in Neuried und bei Paper + Design in Wolkenstein finanziert.

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