Betriebswirtschaftliche Nachteile
Die Tücken der Stiftungen

Nur knapp 44 Prozent der übergabereifen Unternehmen gehen nach Aussage des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn an Familienmitglieder. Der Rest scheitert an Streitigkeiten, Misstrauen oder Unfähigkeit. Als Allheilmittel zur Nachfolgeregelung wird immer häufiger die Stiftung zitiert.

FRANKFURT. Das Interesse von Beratern und Banken, ihrer mittelständischen Klientel Stiftungen als "Lösung für die Ewigkeit" zu empfehlen, ist unübersehbar. Viele Institute - Marktführer ist die Deutsche Bank - unterhalten so genannte philantropische Abteilungen. Aber oft wird die Stiftung von den Kunden zur Sicherung der Zukunft eines Unternehmens überschätzt.

Das Problem für die Unternehmer: Die gemeinnützige Stiftung dämmt vor allem den Geldabfluss durch Erbschaftsteuern ein. Steuerersparnis ist aber nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht die Liquidität, die dem Unternehmen unwiderruflich entzogen wird. Das an die Stiftung übertragene Kapital steht dem Stifter nicht mehr zur Verfügung und kann somit auch nicht mehr ins Unternehmen eingebracht werden.

"Die Gründung einer Stiftung als Rechtsakt löst keinesfalls das Nachfolgeproblem", stellt Reinhard Pöllath von der Kanzlei Pöllath & Partners klar. Eine Stiftung sei nur ein Rechtsträger. Entscheidend seien wie immer unternehmerischer Wille und Entscheidungsfähigkeit. Auch schützt eine Stiftung nicht vor dem Verkauf des Unternehmens. Sie kann ihn aber erschweren: Im Falle der Frankfurter Rundschau, die nun von Dumont Schauberg übernommen wird, schleppte sich der Verkauf nach Ansicht von Beobachtern auch deshalb dahin, weil der Stiftungszweck eine linksliberale Haltung vorschreibt.

Die Summe des Stiftungskapitals in Deutschland beträgt nach Expertenschätzung rund 50 Mrd. Euro. Mit fünf Mrd. Euro Kapital ist die Robert-Bosch-Stiftung die reichste Einrichtung. Stiftungen sind Anlagen für die Ewigkeit - ausgegeben werden darf nur die Rendite. Der Grundstock des Kapitals soll für alle Zeiten erhalten bleiben.

Nicht nur das Unternehmen, sondern auch das eingebrachte Stiftungskapital unterliegt aber wirtschaftlichen Schwankungen. Oft fallen die Erträge wegen der vorgeschriebenen risikoaversen Anlagestrategie nur mager aus. Auch der Verlust des Stiftungskapitals ist möglich. Eine Studie der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin bescheinigt Stiftungen "über alle Management-Bereiche hinweg mehr oder weniger stark ausgeprägte Defizite beim Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente, besonders beim strategischen Management".

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