Bilanz
Auslaufmodell Ich-AG: Zwischen Erfolg und Scheitern

Der Begriff brachte es sofort zu zweifelhafter Berühmtheit: Als „Unwort“ des Jahres machte die „Ich-AG“ bei ihrem Start im Januar 2003 Schlagzeilen. In wenigen Tagen wird sie wieder ausrangiert und durch ein Spar-Modell zur Förderung von Existenzgründern ersetzt. Eine Bilanz:

dpa BERLIN. An der Ich-AG schieden sich die Geister. Die SPD stritt für den Erhalt des Instruments, CDU und CSU wollten es am liebsten ganz abschaffen. Eine Nachfolgeregelung kam nur nach mühsamem Kompromiss-Gerangel zu Stande.

Seit Einführung der Ich-AG schwappt eine schon lange nicht mehr erlebte Gründerwelle über das Land. Zugleich warfen aber viele der Neu-Selbstständigen schon nach kurzer Zeit das Handtuch. Allein 120 000 Kleinstbetriebe gaben im ersten Quartal 2006 auf, neun Prozent mehr als vor Jahresfrist, ermittelte das Statistische Bundesamt.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in den Zahlen seine Befürchtungen bestätigt, dass „ein Großteil der neuen Unternehmen wegen mangelhafter unternehmerischer Qualifikationen“ scheitert. Bei den Gründungswilligen stehe „der Zugang zu staatlichen Zuschüssen“ im Mittelpunkt des Interesses - nicht unternehmerischer Tatendrang. Mit der Ich-AG habe sich „eine Subventionsmentalität bei vielen Existenzgründern verfestigt“ - und die Idee, Selbstständigkeit sei staatlich finanzierbar.

Nach dem neuen DIHK-Gründerreport war die Suche nach einem Ausweg aus der Arbeitslosigkeit das Hauptmotiv zur Gründung einer eigenen Existenz. 41 Prozent (Vorjahr: 34 Prozent) der Firmengründer konnten ihre Geschäftsidee „nicht klar benennen“, bemängelt DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Bei Arbeitslosen lag dieser Anteil noch höher. „Bei Fortsetzung dieses Trends droht das Unternehmertum als Quelle für Wachstum in Deutschland zu versiegen“, meint Braun.

Der Anreiz für Erwerbslose, sich selbstständig zu machen, ist finanzieller Natur: Sie nutzen das Angebot, drei Jahre Förderung zu erhalten: Anfangs 600 Euro monatlich, im zweiten Jahr jeweils 360 Euro und im dritten Jahr 240 Euro. Insgesamt 382 000 Menschen nutzten nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit bislang die Förderung. Aktuell gefördert werden noch 225 500 Existenzgründer.

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