Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
Pensionen aus der Bilanz herausnehmen

Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), das Anfang 2009 in Kraft treten soll, passt die deutsche Rechnungslegung stärker an die internationalen Standards IFRS an. Die Modernisierung des Bilanzrechts erlaubt, Mittel zur Altersversorgung der Mitarbeiter auszulagern.

KÖLN. Die Reform hat Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung. Sie sieht vor, dass der Ansatz der Pensionsrückstellungen nicht mehr mit den steuerlichen Vorgaben des Paragraphen 6a im Einkommensteuergesetz, sondern mit aktuellen Grundlagen erfolgt. Dies wird künftig zu einer deutlichen, aber auch gestaltbaren Erhöhung vieler Bilanzansätze führen.

Des Weiteren räumt das neue Gesetz den Unternehmen in Anlehnung an die IFRS-Regelungen die Möglichkeit ein, Mittel zur Abdeckung der Pensionsverpflichtungen auszulagern. Und dabei, etwa auf der Grundlage eines so genannten Contractual Trust Arrangement (CTA), eine Saldierung mit den Pensionsrückstellungen auf der Passivseite der Handelsgesetzbuch-Bilanz – das heißt eine Bilanzverkürzung – vorzunehmen. Wegen der sehr langfristigen Wirkung einer solchen Vorgehensweise sollte man jedoch prüfen, ob das Outsourcing von Versorgungskapital sinnvoll ist. Für dieses Modell werden verschiedene Gründe angeführt. Es heißt, die damit einhergehende Verkürzung der Bilanz verbessere die Kennzahlen oder das Rating. Doch es ist ein Irrtum zu glauben, dass man alle Sorgen, die durch Pensionszusagen verursacht wurden, dadurch los würde, dass man sie aus der Bilanz nimmt. Die Bilanzverkürzung über den CTA-Ansatz verändert zwar vordergründig das Bild der betrieblichen Kennzahlen, die Verpflichtungen des Unternehmens aber bleiben bestehen. Da bilanzpolitische Vorgänge wie etwa die Saldierung der Pensionsverpflichtungen im Anhang der Bilanz erklärt werden müssen, wird diese Information nur verschoben. Das Rating ist für den Mittelstand zudem nicht so wichtig wie für einen Konzern, der sich auf dem internationalen Kapitalmarkt behaupten muss. Keine Bank oder Sparkasse wird ihren mittelständischen Kunden auf der Grundlage der internationalen Rechnungslegung, sondern nach dessen wirtschaftlichen Lage beurteilen. Zudem bewirkt die Auslagerung, dass das zur Disposition stehende Kapital sowohl dem Handlungsspielraum des Unternehmens als auch der potenziellen Sicherungsmasse eines Gläubigers entzogen wird.

Die Pensionsrückstellung ist durchaus mit einem Kredit vergleichbar, den der Arbeitgeber beim Arbeitnehmer aufnimmt. Die Auslagerung dieser Verpflichtung wirkt wie die Tilgung eines Kredits. Fremdkapital zu tilgen ist immer dann sinnvoll, wenn die Mittel nicht zu Investitionen gebraucht werden oder die zu erwartende Rendite der mit diesen Mitteln finanzierten Investition kleiner ist als der Fremdkapitalzins. Bei solch einem negativen Leverage-Effekte verbessert die Bilanzverkürzung nicht nur das Bilanzbild, sondern auch die reale Situation des Unternehmens. Bilanzverkürzungen verschlechtern aber auch die Lage, wenn damit ein positiver Leverage-Effekte verhindert wird. Auch wenn viele Unternehmen im neuen Bilanzierungsrecht eine Alternative zum HGB und zu den internationalen Rechnungslegungsstandards sehen, besteht kein Anlass zu handeln. Es ist sinnvoll, in Ruhe die Auswirkungen der neuen Vorschriften zu klären und die Vor- und Nachteile einer Auslagerung von Pensionskapital zu prüfen.

Klaus Heubeck ist Vorstand der Heubeck AG.

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