Bilanzzahlen
Oetker-Gruppe dank Schifffahrt wieder auf Kurs

Durch die Bank weg kann die Bielefelder Oetker-Gruppe von Zuwächsen berichten. Vor allem die Reederei Hamburg Süd sorgte für ein stürmisches Umsatzwachstum von knapp 19 Prozent - jetzt hat Oetker Großes vor.
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BielefeldDer traditionsreiche Bielefelder Oetker-Konzern hat nach dem beispiellosen Umsatzeinbruch 2009 im vergangenen Geschäftsjahr wieder das Vorkrisenniveau erreicht - und steuert nun wieder in ruhigem und ertragreichem Fahrwasser. Für den neuen Oetker-Chef Richard Oetker ist es das erste vollständige Geschäftsjahr, dass er zu verantworten hat. Der Diplom-Braumeister hatte zu Beginn des letzten Jahres den Chefposten von seinem älteren Bruder August, dem Reedereikaufmann, übernommen.

Und wie es aussieht, hat er seinen Job gut gemacht, denn was er heute in Bielefeld zu verkünden hatte, kann sich durchaus sehen lassen: So stieg Umsatz 2010 im Vorjahresvergleich um 18,9 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Das verdankt das Familienunternehmen vor allem dem Anziehen des Welthandels: Die Schifffahrt, der größte Geschäftsbereich, verzeichnete ein rasantes Umsatzwachstum von 38,8 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.

Unter anderem konnte Oetker die Frachtraten für die transportierten Güter in die Höhe schrauben.

Die zweitgrößte Sparte, der durch Tiefkühlpizzen bekannte Nahrungsmittelbereich, steigerte den Umsatz leicht auf 2,3 (2,1) Milliarden Euro. Weniger erfreulich sind die Aussichten für die Verbraucher, denn die müssen 2011 mit steigenden Preisen für Oetker-Produkte wie Pizzen oder Müsli rechnen - der Konzern will die steigenden Rohstoffkosten an die Verbraucher weitergeben. Das hatte der Konzern schon im April angekündigt. All zu kurzfristig dürften Preiserhöhungen jedoch nicht realisierbar sein, denn der harte Wettbewerb im Einzelhandel drängt die großen Handelskonzerne dazu, sich durch Preisaktionen bei den Kunden zu profilieren.

Familie hält an Lamppe fest

Gerüchte, dass Oetker kein Interesse mehr an dem Bankhaus Lampe hat, konnten aus dem Weg geräumt werden. Oetker hält weiter an dem Institut, dessen Geschäfte glänzend laufen, fest. Die Bank hat 2010 schließlich gute Zahlen vorgelegt und die Eigner hatten das Institut über eine Kapitalerhöhung gestärkt und den Bilanzgewinn wieder in die Bank gesteckt. Dadurch war das Eigenkapital auf 6,2 Prozent der Bilanzsumme gestiegen. "Bankhaus Lampe bleibt die Bank des Unternehmers für den Unternehmer", sagte Oetker-Finanzchef Ernst Schröder. Es sei auf einem guten Weg und solle in Deutschland wachsen. In diesem Jahr solle die Kernkapitalquote auf 10,2 Prozent steigen, auch durch die 14 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn 2011, sagte Richard Oetker. Lampe profitiere von seiner Stellung als unabhängige Privatbank mit dem Verzicht auf den Vertrieb eigener Produkte, so Oetker. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, die Oetker-Familie könne sich von dem Bankhaus trennen.

Zu Gewinnen oder Verlusten - das war schon immer so - macht Oetker traditionell keine Angaben. In diesem Jahr hätten alle Sparten eine zurückhaltende Geschäftsentwicklung gemeldet, sagte Konzernchef Richard Oetker. Man stehe großen Herausforderungen gegenüber.

Tiefkühlpizzen für China und Indien

Eine davon ist der Riesenmarkt für Lebensmittel in Asien und Afrika - hier leben aktuell 75 Prozent der Weltbevölkerung. Studien zufolge würden es 2050 rund 80 Prozent sein. Hier will Dr. Oetker einstiegen. In beiden Ländern baut der Lebensmittelhersteller deshalb eigene Produktionsanlagen für Tiefkühlpizzen. China und Indien sollten das Geschäft ergänzen, die Konzentration auf den europäischen Markt werde "nicht nachlassen", sagte Oetker im April.

Vor einem Jahr musste Richard Oetker bei seinem ersten Auftritt als frisch gekürter Chef noch den stärksten Umsatzrückgang der Firmengeschichte verkünden. Dafür hatten in erster Linie dramatische Einbrüche bei der Schifffahrtssparte Hamburg Süd geführt, die aufgrund der Finanzkrise fast 30 Prozent ihres Umsatzes einbüßte und nur noch 3,2 Milliarden Euro zum Gruppenerlös beisteuerte. Der brach daher in 2009  um 14 Prozent auf acht Milliarden Euro ein.

Zu der Oetker-Gruppe gehören 431 einzelne Unternehmen und rund 25.600 Beschäftigte weltweit. Die bei Verbrauchern bekannteste Sparte ist sicherlich die Dr. Oetker GmbH. Dazu zählen unter anderem Puddingpulver, Backmischungen und Tiefkühlkost. Weltweit arbeiten für die Sparte mehr als 9400 Beschäftigte in 40 Ländern.

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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