Bio-Lebensmittel
Streiter für das Recht auf anständige Spaghetti

Michael Moßbacher und Andrea Sonnberger haben mit Byodo 1993 den Lohas-Trend vorweggenommen. Ihre Produkte sollen nicht nur die Welt retten, sondern schmecken. Unter der gemeinsamen Marke beliefern sie Fachhandel und Gastronomie mit Bio-Feinkost von kleinen Erzeugern.

KÖLN. Michael Moßbacher legt Wert auf Ehrlichkeit. Bei den Geschäften des Bio-Unternehmers aus dem bayerischen Mühldorf zählt der Handschlag deshalb mehr als ein Vertrag: "Ich habe jahrelang keine vertraglichen Regelungen mit meinen Handelspartnern gemacht", sagt der Inhaber und Geschäftsführer der Byodo Naturkost GmbH.

Kein Wunder: Byodo entstammt einer Szene von Idealisten, denen es eher darum ging, die Welt zu verändern als sich gegenseitig übers Ohr zu hauen: Den Ökobauern und Reformhausbetreibern, die seit den 80er Jahren die Lebensmittelbranche revolutioniert haben.

Aus dieser Welt kommt auch der Unternehmensname. "Byodo" ist Japanisch und bedeutet "gemeinsamer Weg". Aus dem Credo hat Moßbacher inzwischen ein profitables Geschäftsmodell geformt: Seine Firma fasst kleine und mittelständische Produzenten von Bio-Feinkost unter der Dachmarke Byodo zusammen und beliefert Fachhandel und Gastronomie mit den selbst ernannten Gourmet-Öko-Produkten. Von Essig und Öl über Senf und Pasta-Feinkost bis hin zu Reiswaffeln reicht das Sortiment mit dem grünen Byodo-Logo.

Die Mühldorfer sind in der Branche als Pioniere bekannt: Bio-Alkohol, hoch erhitzbares Bratöl und eine ganze Reihe Balsamico-Essige mit Fruchtgeschmack stammen aus Moßbachers Naturkost-Sortiment. "Momentan entwickeln wir einen Granatapfel-Balsamico", verrät der Feinkost-Profi, der auch selbst gerne das gute Essen genießt.

Moßbacher war nie ein Dogmatiker, bei dem ausschließlich Vollkornnudeln auf den Tisch kommen. Im Gegenteil: Bio bedeutete für ihn von Anfang an vor allem bessere Qualität. Und weil er persönlich sich nie für die krümeligen,dunklen Dinkel- und Roggen-Pasta aus dem Reformhaus erwärmen konnte, nahm Moßbacher später eben klassische Spaghetti aus weißem Mehl ins Byodo-Programm. Nur dass seine Nudeln eben aus Weizen von ausgesuchten Bio-Erzeugern stammen.

Seine Begeisterung für hochwertige Lebensmittel hat Moßbacher eher durch Zufall zum Beruf gemacht. Nach seinem BWL-Studium in München hatte er zunächst in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des größten deutschen Verkehrsclubs ADAC angeheuert. Drei Jahre blieb der diplomierte Kaufmann dort, obwohl er sich nie richtig für den Job begeistern konnte: "Ich wollte lieber Geschäfte auf vertrauensvoller Basis machen und gemeinsam mit anderen Menschen etwas aufbauen", sagt Moßbacher heute - und dabei klingt er dann doch wie ein Überzeugungstäter. Ohne jede Ironie.

Getrieben von dem Wunsch nach Höherem machte er sich auf die Suche nach Gleichgesinnten - und fand sie in der Bio-Szene. Damals, Anfang der 80er Jahre, war von dem spätereren Bio-Boom allerdings noch nichts zu merken: "Die Branche bestand aus einem kleinen Haufen Idealisten, die aus purer Überzeugung und mit guter innerer Einstellung an einer Idee arbeiteten", erinnert sich der Byodo-Chef.

Zusammen mit zwei Partnern gründete Moßbacher 1985 also seine eigene Bio-Firma, eine Manufaktur für Sojafeinkost, vulgo: Tofu. Von Banken und Behörden bekamen die Gründer dafür keine Hilfe. Sie wurden für ihre Geschäftsidee nur belächelt: "Wir sind mit 7 000 Mark gestartet", sagt Moßbacher. "Die ersten Jahre waren wirklich sehr mühsam." Obwohl einige Privatinvestoren das Unternehmen unterstützten, hielten Moßbachers Partner nicht durch: Als 1992 die Pleite ins Haus stand, gaben die Mitgründer auf, und Moßbacher hätte um ein Haar ebenfalls das Handtuch geworfen: "Ich habe dann aber das Risiko auf mich genommen und mir gesagt: Michael, du schaffst das!"

Ein Jahr später übernahm dann Andrea Sonnberger, diplomierte Ökotrophologin und eine ehemalige Praktikantin von Moßbacher, die Hälfte der Firma - seitdem teilen beide nicht nur die Einstellung, sondern auch den Chefsessel. Weil die Produktion von Tofu und Sojafeinkost nicht lukrativ genug war, stellte Byodo auf den Handel und vor allem auf eine Markenstrategie um. "Unsere Vision war eine hundertprozentige Bio-Marke im gehobenen Segment", sagt Moßbacher. Diese Vision heißt heute Lohas und gilt als Markt der Zukunft (siehe Kasten).

Von Anfang an setzte der Verfechter von Fairness auch auf partnerschaftliche Beziehungen zu seinen meist mittelständischen Lieferanten und Kunden: "Zusammenarbeit bringt mehr als das Gefeilsche um Preise und Konditionen", ist der Byodo-Inhaber auch heute noch überzeugt und hält sich mit dieser Strategie auch bei steigendem Preisdruck über Wasser.

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