Bio-Tech-Sektor
Börsengänger streben in die Ferne

Um die fehlende Dynamik der deutschen Börse auf dem Bio-Tech-Sektor auszugleichen, haben einige Unternehmen zuletzt ausländische Märkte ins Visier genommen. Das Interesse der Investoren an ausländischen Märkten ist derzeit höher als im Inland – Unternehmen wollen das bei der Kapitalsuche nutzen.

DÜSSELDORF. Eigentlich geht es der deutschen Biotech-Industrie gut. Laut dem jährlichen Biotechnologie-Report der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young stieg der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr um sechs Prozent von 948 Mill. Euro auf über einer Mrd. Euro. Bei privaten Unternehmen lag das Wachstum sogar bei 15 Prozent. Dennoch wagte 2007 kein einziges deutsches Unternehmen der Branche den Weg an die Börse. Offenbar ist der deutsche Kapitalmarkt für die Biotechnologie-Unternehmen derzeit kaum interessant.

Um die fehlende Dynamik der deutschen Börse auf dem Bio-Tech-Sektor auszugleichen, haben einige Unternehmen zuletzt ausländische Märkte ins Visier genommen. Zum Beispiel die Paion AG: Der Aachener Arzneimittelhersteller ging 2005 an die Frankfurter Börse, in diesem Jahr folgte nun die Notierung am London Stock Exchange (LSE). „Wenn auf dem heimischen Parkett eine bestimmte Branche unterrepräsentiert ist, gibt es keine Indizes, wenig Beobachtung durch Analysten, keine Anlegerstruktur und damit keine Liquidität“, sagt Bernhard Hofer, Finanzvorstand der Paion AG. „In dem Fall lohnt sich der Weg an einen ausländischen Markt.“ Als zweite Wahl will Hofer Frankfurt indes nicht bezeichnen: „Hier gibt es eine gute Infrastruktur und vernünftige Rahmenbedingungen.“

Einen Vorteil der großen ausländischen Märkte gegenüber Frankfurt in der Biotechnologie sieht dagegen Roland Maier, Manager bei BB Biotech, einer Schweizer Beteiligungsgesellschaft: „Der Grund, warum viele Biotechfirmen eine Notierung an der NASDAQ oder der LSE, suchen, liegt vor allem an der geringen Anzahl von Biotech-Spezialisten- und Investoren, die beispielsweise in Frankfurt tätig sind.“

Dafür macht Maier wiederum den Mangel an erfolgreichen Biotech-Unternehmen am heimischen Markt verantwortlich. „Außerdem läuft heute ein großer Teil der Handelsvolumen in dem Sektor über Hedgefonds, von denen es in den USA und in UK wesentlich mehr gibt als in Kontinentaleuropa.“ BB Biotech ist selbst an der Schweizer Börse, im TecDAX und im „Star-Segment“ in Italien gelistet. Die Dreifachnotierung soll Anlegern den Handel mit den Aktien auf den jeweiligen Heimatmärkten erleichtern. Das ausländische Parkett wird so zum Heimspiel.

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