Bio-Trend
Die Krux mit der Ökoware

Ob Chips von Intersnack oder Schokolade von Ritter Sport - etliche konventionelle Lebensmittelhersteller erweitern ihre Produktpalette um eine Bio-Linie. Mit der Ökoware will die Lebensmittelindustrie vom Boom profitieren. Doch das gelingt nicht immer.

BREMEN. Montags bleiben bei der Intersnack Knabber GmbH-Gebäck in Köln die Tüten für herkömmliche Kartoffelchips leer. Denn die frisch gereinigten Produktionsanlagen des größten Herstellers von salzigem Gebäck in Deutschland werden dann ausschließlich zur Produktion von Bio-Chips verwendet: Die Sorten "Meersalz & Pfeffer" und "Pikante Paprika" dürfen bei der Herstellung nicht mit Gewürz- oder Ölresten in Berührung kommen, die aus der herkömmlichen Chip-Produktion stammen.

"Wir haben lange überlegt, ob wir eine vollständig neue Linie aufbauen", sagt Intersnack-Geschäftsführer Christopher Ferkinghoff. Er entschied sich schließlich dagegen: Anfang der Woche lässt er nun auf den gereinigten Anlagen zunächst die benötigte Warenmenge an Bio-Chips herstellen und startet erst dann die konventionelle Produktion. Das sei aufwendig, so Ferkinghoff, aber die praktikabelste Lösung. Vertrieben werden die Öko-Knabbereien unter der Marke "funny frisch".

Immer mehr etablierte Hersteller der Lebensmittelindustrie haben ihr Sortiment um Bio-Marken erweitert, deren Produktion unter genau vorgeschriebenen Bedingungen laufen muss. Die Regeln für die Bio-Produktion stammen aus einer Verordnung der Europäischen Union: Sie begrenzt erstens die Zahl der erlaubten Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe von über 300 auf 34. Sie verbietet zweitens die Vermischung der konventionellen Produktion und ihrer Zutaten mit der Bio-Ware. Und die EU-Regeln schreiben drittens die Verwendung von Rohstoffen aus kontrolliertem ökologischen Anbau vor. Nur wer diese Kriterien erfüllt, darf seine Lebensmittel mit dem bekannten Bio-Siegel schmücken.

Verantwortlich für die Überwachung der Bio-Produktion sind die Behörden auf Länderebene, die oft unangemeldeten Kontrollbesuche werden von privaten Kontrollstellen durchgeführt. Bei Intersnack ist das beispielsweise die BCS Öko-Garantie GmbH in Nürnberg. "Die Überwachung ist mit dem TÜV-Verfahren vergleichbar", erklärt Alexander Beck vom Büro Lebensmittelkunde & Qualität in Bad Brückenau. "Die Vorgaben sind streng. Man kann sich darauf verlassen, dass Bio drin ist, wo Bio drauf steht."

Dass immer mehr Unternehmen den Aufwand einer Bio-Produktionslinie wagen, liegt auch am großen Marktpotential dieses Segments. In den Boom-Jahren der Branche von 2002 bis 2005 verzeichneten Bio-Lebensmittel ein jährliches Wachstum von 20 Prozent. Auch im vergangenen Jahr wuchs der Öko-Markt 2008 weiterhin, trotz Krise, um etwa 10 Prozent auf einen Umsatz von jetzt 5,8 Mrd. Euro.

Es kommt aber darauf an, was für ein Produkt das Bio-Etikett erhält. Der Absatz von Bio-Kartoffelchips aus dem Hause Intersnack jedenfalls entwickelt sich laut Geschäftsführer Christopher Ferkinghoff sogar leicht rückläufig. "Das liegt auch daran, dass Chips nicht unbedingt ein bio-affines Produkt sind." Erst einmal plane man deshalb keine Neuentwicklungen.

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