Biokunststoffe
Natur pur bleibt Zukunftsvision

Zucker, Mais oder Stärke sind die Hoffnungsträger für eine Plastikherstellung ohne Erdöl. Bisher sezten sich die Biokunststoffe allerdings nur sehr langsam durch. Auch über die Marktreife der biologischen Alternativen herrschen Zweifel.

KÖLN. Ulrich Reifenhäuser kann mit dem letzten Jahr zufrieden sein. Sein Unternehmen, die Reifenhäuser & Co. KG Maschinenfabrik aus dem rheinischen Troisdorf, hat mit Anlagen zur Verarbeitung von Kunststoffen 320 Mill. Euro Umsatz rein geholt. Doch Reifenhäuser schaut sich schon nach neuen Geschäftsfeldern um: Er hat die Herstellung von Biokunststoffen im Visier. "Der Markt befindet sich noch in der Eröffnungsphase", sagt der Unternehmer. Darum hat Reifenhäuser im vergangenen Jahr eine ausführliche Studie zu Biokunststoffen in Auftrag gegeben. "Es ging uns um das grundsätzliche Marktpotenzial von Biokunststoffen."

Auf der Suche nach Alternativen zu herkömmlichen, erdölabhängigen Werkstoffen, ist die Branche der Kunststofftechniker längst bei Mutter Natur fündig geworden. Biologische Ressourcen wie Zucker, Mais oder Stärke heißen die Hoffnungsträger für die Plastikherstellung ohne Erdöl. Aus ihnen lassen sich etwa auf Basis von Milchsäure biologische Polymere herstellen. Doch über die Marktreife der biologischen Alternativen herrschen Zweifel: Noch macht ihr Produktionsvolumen knapp ein Prozent das europäischen Gesamtmarkts aus, doch die Branche erwartet in den nächsten Jahren deutliche Wachstumsraten.

Das belegt auch die Reifenhäuser-Studie: Durch technologische Fortschritte in der Verarbeitung können Biokunststoffe neue Anwendungsgebiete für sich gewinnen, etwa in der Konsumgüterindustrie, bei Möbelherstellern, der Elektronikbranche und bei Autobauern.

Für Reifenhäuser heißt das: In den nächsten Jahren wird das Interesse an Maschinen, die biologische Ressourcen verarbeiten können, steigen. "Wir investieren überproportional in die Erforschung von Biokunststoffen", sagt Geschäftsführer Ulrich Reifenhäuser.

Doch im selben Atemzug bremst der Unternehmer die aufkommende Euphorie unter den Kunststofftechnikern: "Ölbasierte Kunststoffe sind den biologischen Alternativen noch qualitativ überlegen und vielseitiger in der Anwendung." Zudem reagiere der Markt für Kunststoffe sehr träge, da brauche es einige Jahre, bis Neuentwicklungen eine Marktreife erreichen. Die massenhafte Anwendung in Standardanwendungen werde er als aktiver Unternehmer wohl nicht mehr miterleben.

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