Bionik: Der Konkurrenz eine Rüssellänge voraus

Bionik
Der Konkurrenz eine Rüssellänge voraus

Wissenschaftler kopieren die Natur, um neue Techniken zu entwickeln. Nach der Krise suchen Unternehmen händeringend nach Innovationen, um vom Aufschwung zu profitieren. Nun greift die Industrie die Ideen auf, um sich Vorteile im Wettbewerb zu sichern.

BERLIN. Die Pfeifenwinde könnte Michael Rampf reich machen. Der Chef der Firma Rampf Giessharze will die Selbstheilungskraft der Schlingpflanze kopieren und in einem Kunststoffschaum einsetzen. So wie die Liane Risse in ihrer Haut heilt, soll sich auch der Schaum selbst reparieren. Bei einem Schlauchboot etwa, das damit beschichtet ist, schließen sich Löcher im Gummi fast vollständig von allein. Bislang funktioniert das zwar nur im Labor. Doch in drei Jahren soll der Wunderschaum auf den Markt kommen.

Die Idee dazu hatten Wissenschaftler der Universität Freiburg, die ein Kompetenznetz für Bionik aufgebaut haben. Die Uni suchte nach einem Industriepartner und Rampf nach einem zukunftsweisenden Produkt. "Wir bemühen uns darum, mit Innovationen Probleme der Kunden zu lösen und wollen uns aus der Masse hervorheben", begründet er die Kooperation.

Bionik ist längst nicht mehr die Domäne großer Konzerne, die es sich leisten können, teure Grundlagenforschung zu betreiben und Zukunftstrends aufzuspüren. "Immer mehr Mittelständler machen sich die Bionik zunutze. Das merken wir an der kontinuierlich steigenden Zahl von Förderanträgen", berichtet Roland Keil, der im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Förderanträge bewertet. Mit 32 Millionen Euro unterstützt das BMBF unter dem Stichwort "Biona" nachhaltige Projekte, bei denen es etwa darum geht, ressourcenschonend zu produzieren.

Die Natur löst viele Probleme

Statt Grundlagenforschung zu betreiben, sucht der Mittelstand vor allem nach Lösungen für konkrete Probleme. So entstand zum Beispiel der Zecken-Dübel, der sich in Gipskartonwänden spreizt wie das Mundwerkzeug einer Zecke in der Haut. Der Sitzhersteller Recaro hat sich gleich mehrfach in der Tierwelt bedient, um einen besonders leichten Sitz für Elektroautos zu entwickeln. Die Konstrukteure haben die Gestalt von Reptilienpanzern nachgeahmt, für eine leichte, platzsparende und gleichzeitig stabile Form. Die Sitzfläche hat kiemenartige Öffnungen, die den Sitz atmungsaktiv machen. Der Hohlkammerbau der Sitzschale orientiert sich am Körperbau von Vögeln.

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Nach der Krise suchen Unternehmen händeringend nach Innovationen, um vom Aufschwung zu profitieren, was sie zu den kreativen Möglichkeiten aus der Natur führt", sagt Rainer Erb, Geschäftsführer des Kompetenznetzwerks Biokon, das Firmen bei bionischen Projekten berät und Kontakte zu Wissenschaftlern herstellt. Seiner Meinung nach sind die Mittelständler hierbei flexibler als Konzerne mit großen Forschungsabteilungen. Das liege zum einen daran, dass Mittelständler meist sehr kundenorientiert seien. Zum anderen treibe sie ein großer Konkurrenzdruck: "Vielen schwant, dass ihre marktbeherrschende Position bedroht ist und der Innovationsvorsprung schmilzt", sagt Erb. Es muss sich also schleunigst etwas tun."

Firmen kooperieren mit Forschern

Festo, ein Hersteller von Automatisierungstechnik, hat vor etwa fünf Jahren das Bionic Learning Network gegründet. "Mit diesem Verbund suchen wir bei Ingenieuren, Universitäten und Forschungseinrichtungen nach neuen Produktideen, die zu uns passen", sagt Festo-Sprecher Heinrich Frontzek. "Unsere Konstrukteure sollen durch die Bionik unkonventionelle Ideen entwickeln."

Auf der Hannover Messe präsentiert das Unternehmen jährlich drei bis fünf Ideen. Darunter ist etwa ein Robotergreifarm, der sich an einer filigranen Fischflosse orientiert und dadurch sehr leicht ist. Ein anderer, 1,20 Meter langer Greifarm ist einem Elefantenrüssel nachempfunden und besonders flexibel. Er soll Monteuren assistieren und sofort nachgeben, wenn er versehentlich mit einem Menschen kollidiert.

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