Biotech-Branche
Wettkampf der Regionen als Motor

Deutschlands führende Biotech-Regionen profitieren vom direkten Bezug ihrer Unternehmen zu Forschungseinrichtungen. Die aktivsten Bio-Regionen des Landes haben viele Gemeinsamkeiten - aber auch unterschiedliche Qualitäten.

BERLIN. Am Anfang stand eine Niederlage. Als sich 1996 Berlin und Brandenburg durchrangen, das gemeinsame Biotechnologie-Büro BioTOP zu gründen, war das Ziel dieser seltenen Eintracht klar: Man wollte die 50 Mill. D-Mark Fördergeld des Bundes holen, um die noch sehr zarte Biotech-Branche in Schwung zu bringen. Das Geld ging dann aber nach München, in das Rhein-Neckar-Dreieck und ins Rheinland. Damals wurde bitter gelästert: "Wer hat, dem wird gegeben."

Doch mittlerweile gilt neben den drei Siegern von damals Berlin-Brandenburg als eine der aktivsten Bio-Regionen Deutschlands. Die Unternehmen zapften andere öffentliche Fördertöpfe an und überzeugten private Investoren. "Wir profitieren von der räumlichen Kompaktheit der Region und der stark ausgebildeten Hochschulmedizin", erklärt BioTOP-Geschäftsführer Kai Bindseil, warum der Sprung an die Spitze trotzdem noch klappte. Und: "Langer Atem zahlt sich aus." In Zahlen heißt das: Während 1995 knapp 50 Biotech-Unternehmen noch nicht mal 1 000 Mitarbeiter beschäftigten, sind es heute 180 Firmen mit 3 600 Mitarbeitern.

Was in Berlin die kommerzielle Biotechnologie vorantreibt ist der direkte Bezug der Unternehmen zu den vielen Forschungsinstituten in der Region. In Berlin sind mehr als die Hälfte der Biotech-Unternehmen Ausgründungen aus Universitäten und Forschungsinstituten, sagt Bindseil. Thematische Schwerpunkte sind hier zum Beispiel die Genomforschung, die Arzneimittelentwicklung, die Molekulare Diagnostik und die Regenerative Medizin.

Die Arbeit ist stark wissenschaftlich getrieben und gleichzeitig anwendungsnah ausgerichtet, wie das Beispiel des Biotech-Unternehmens Jerini zeigt. Anfang August übernahm der britische Pharmakonzern Shire Pharmaceuticals die Firma für 370 Mill. Euro. Interessant wurde das einstige Start-up, weil es einen neuartigen Wirkstoff zur Behandlung des so genannten hereditären Angioödem (HAE) entwickelt hat. HAE ist eine Erbkrankheit, die zu spontanen Schwellungen am ganzen Körper führt. Im schlimmsten Fall sind die Anfälle lebensbedrohlich, etwa wenn es bei einem geschwollenen Kehlkopf zu Erstickungsanfällen kommt. In Europa ist der Jerini-Wirkstoff mittlerweile zugelassen worden, so dass ein entsprechendes Medikament nun in allen 27 Mitgliedsstaaten vermarktet werden kann. In solchen Erfolgen sehen Experten allerdings auch Gefahren für deutsche Standorte: "Sowie ein Medikament zugelassen wird, werden die kleinen und mittleren Unternehmen von internationalen Pharmakonzernen aufgekauft. Damit droht ein Ausverkauf von Know-How", warnt Bindseil.

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