Biotechnologie
Schnellkurs Unternehmertum für Nachwuchsforscher

Vor wenigen Jahren war Immatics noch ein zehn Quadratmeter kleines Büro in der Universität Tübingen. Heute ist die Immatics Biotechnologies GmbH ein Unternehmen mit modernen Laboren, dass Immuntherapien gegen Krebs entwickelt und zu den viel versprechendsten Firmen der Branche gehört. Die Geschichte des Unternehmens ist in mehrfacher Hinsicht typisch für den Biotechnologie-Sektor in Deutschland.

KÖLN. Immatics, das war vor wenigen Jahren ein zehn Quadratmeter kleines Büro in der Universität Tübingen. Heute ist die Immatics Biotechnologies GmbH in Tübingen ein Unternehmen mit modernen Laboren, über 60 Mitarbeitern und großen Investoren. Niels Emmerich und Harpreet Singh saßen noch an ihren Doktorarbeiten, als sie das Biotechnologie-Unternehmen im Jahr 2000 gründeten. Heute entwickelt Immatics Immuntherapien gegen Krebs und gehört zu den viel versprechendsten Firmen der Branche.

Die Geschichte von Immatics ist in mehrfacher Hinsicht typisch für den Biotechnologie-Sektor in Deutschland: Wie viele Unternehmen wurde das Unternehmen aus der Universität heraus gegründet. Und auch die Gründer Emmerich und Singh mussten anfangs kämpfen, um Investoren zu überzeugen. Und wie der Rest der Branche sind sie weiterhin auf großzügige Geldgeber angewiesen, denn ihre Hightech-Forschung verschlingt Millionen.

Im Jahr 2000 gründen die Nachwuchsforscher ihr Unternehmen als so genannte „Protein-Boutique“, wie Harpreet Singh, heute wissenschaftlicher Leiter von Immatics, es nennt. Das Geschäft mit den Proteinen läuft gut, deshalb sind Singh und Emmerich auf der Suche nach einer neuen Idee, in die sie investieren können.

Fündig werden sie in ihrer Heimat Tübingen: Dort hat Doktorand Toni Weinschenk eine neue Methode für die Krebsforschung entwickelt. Daraus entwickeln die Forscher eine inzwischen europaweit patentierte Plattform, mit der sie aus einem kleinen Stück Krebstumor Strukturen herausfiltern können, die ihnen die Entwicklung einer besseren Behandlung ermöglicht. „Wir waren damals überzeugt: Das ist der Stoff für eine richtige Firmengründung“, sagt Singh. Dass viele erfolgreiche Biotechnologie-Unternehmen diese Entwicklung durchlaufen, ist kein Zufall: „Die Ausgründung aus einer Uni ist üblich, weil Biotechnologie sehr forschungsintensiv ist“, sagt Sandra Wirsching vom Portal biotechnologie.de.

Mit der neuen Plattform wollen die drei Forscher gemeinsam Krebsmedikamente entwickeln, die den Körper des Patienten dazu bringen sollen, die Tumore möglichst breit anzugreifen. Dazu nutzen sie so genannte Peptide. Diese Stoffe sitzen meist auf den Tumoren selbst und sollen die weißen Blutkörperchen im Körper zum Angriff gegen den Tumor anregen. Neu daran ist, dass die Forscher gleich mehrere Peptide gegen den Krebs mobilisieren wollen und dass sie vorneweg bestätigen können, dass die Peptide wirklich auf den Tumoren sitzen.

Der Plan steht 2002 fest, doch das Geld aus dem Protein-Geschäft reicht bei weitem nicht. Die Kapitalbeschaffung fällt schwer, denn Immatics hat sich ausgerechnet die Phase nach der geplatzten New Economy-Blase für den Start ausgesucht. Die meisten Investoren sind vorsichtig, noch vorsichtiger als bei einer Hochrisiko-Investition wie Biotechnologie ohnehin üblich. „Aber wir haben nicht locker gelassen“, sagt Singh. Die Hartnäckigkeit wird belohnt, zwei Jahre später haben die Immatics-Gründer 14 Mill. Euro eingesammelt. Genug, um mit der Entwicklung einer Immuntherapie gegen Nierenkrebs und einer gegen Darmkrebs zu beginnen.

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