Bizarrer Streit um "Kleingruppenhaltung"
Bauern und Handel streiten ums korrekte Ei

Mit viel Aufwand haben Eierproduzenten die "Kleingruppenhaltung" für Legehennen entwickelt. Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes halten diese Art der Haltung jedoch für einen "schlechten Witz". Die Discounter wollen die neuen Eier nicht ins Sortiment aufnehmen.

KÖLN. In Südniedersachsen, im idyllischen Neuenkirchen-Vörden, liegt die Zentrale eines der größten Eierproduzenten Europas: Der Deutschen Frühstücksei GmbH & Co. KG. Dort herrscht seit einiger Zeit eine Betriebsamkeit, die von der üblichen Routine abweicht. Denn das Unternehmen, das von Käfig- bis Freilandhaltung alle Geflügelhaltungsformen praktiziert, rüstet seine Käfige zu sogenannten Kleinvolieren um. In diesen sind jeweils zwanzig bis sechzig Legehennen auf einer etwas größeren Fläche als bisher untergebracht, ihnen stehen zudem Sitzstangen zur Verfügung - und "Ruhenester".

"Im Dezember, wenn etwa 15 Prozent der Farmen den Wandel vollzogen haben, liefern wir die ersten Eier aus der neuen Haltung an unsere Kunden aus", erklärt der Generalbevollmächtigte Gert Stuke stolz. "Und im nächsten Jahr rüsten wir dann sukzessiv weiter auf Kleingruppenhaltung um."

Um die Kleingruppenhaltung tobt derzeit ein erbitterter und bisweilen bizarrer Streit. Die Gegner: Der Deutsche Tierschutzbund auf der einen, der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) auf der anderen Seite. Und mittendrin große Discounter wie Aldi Nord und Süd und Edeka Südwest. Die Handelsunternehmen kündigten vor einiger Zeit an, keine Eier aus Kleingruppenhaltung in ihr Sortiment nehmen zu wollen.

Vom kommenden Jahr an, wenn die herkömmliche Käfighaltung in Deutschland verboten ist, werden den Kunden dort nur noch Eier aus Boden- und Freilandhaltung sowie besonderer ökologischer Erzeugung angeboten. Eine unerträgliche Bevormundung der Verbraucher, tobt der ZDG. Eine kluge Entscheidung, lobt der Tierschutzbund. Die Leidtragenden sind Geflügelhalter, die ihre Käfige zu Kleinvolieren umbauen - wenn sie Pech haben, wird nach dem Umbau niemand mehr ihre Eier kaufen.

Für den Geschäftsführer des ZDG Thomas Janning ist die Haltung der Discounter unverständlich. "Diese Entscheidung kam für uns völlig überraschend", sagt er. Schließlich hätten Experten der Geflügelwirtschaft mehrere Jahre an der neuen Haltungsform geforscht und die Tierärztliche Hochschule Hannover habe bestätigt, dass die Kleingruppe tiergerecht sei. "Der Handel tut den Verbrauchern keinen Gefallen", kritisiert er den Boykott.

Wenn die Kleingruppen-Eier gar nicht erst in den Regalen auftauchten, würde den Kunden die Möglichkeit vorenthalten, sie zu testen. Immerhin können die Eier aus der Kleingruppe bis zu dreißig Prozent billiger angeboten werden als Eier aus anderen Haltungsformen. Denn im Gegensatz zur Boden- oder Freilandhaltung können die Hennen in Kleinvolieren auf mehreren Ebenen übereinander gehalten werden. Das spart Platz und Geld.

Der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbunds, Thomas Schröder hält die Kleingruppenhaltung dagegen für einen schlechten Witz. "Es ist eine Käfighaltung", betont er. "Die Hennen haben die Fläche eines Bierdeckels mehr Platz als im herkömmlichen Käfig." Auch die Sitzstangen und Sandflächen im Käfig seien lediglich Verschönerungsmaßnahmen - die Stangen hingen zu niedrig, der Sand reiche nicht aus.

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