Blechverarbeitende Industrie
Lieferanten wollen mehr vom Kuchen

Zulieferer von Blechteilen liefern immer häufiger komplexe Systemtechnik. Sie verbessern damit ihre Marktposition - und verschaffen sich eine gute Verhandlungsposition gegenüber ihren Abnehmern.

STUTTGART. Pneumatische Vorinstallationen, bereits getestete Automatiktüren oder wenigstens eine Verkabelung innerhalb der Verkleidung - viele Blechverarbeiter haben sich in den vergangenen Jahren zu Systemlieferanten weiterentwickelt. Vorteil für die Unternehmen: Sie sind weniger austauschbar und können so womöglich eigene Preise durchsetzen.

Der Wertschöpfungsanteil der Zulieferer steige durch die Lieferung ganzer Systeme um bis zu 50 Prozent, und Kunden reduzierten Prozessabläufe in der Montagehalle um bis zu 80 Prozent - bei rund 20 Prozent besseren Ergebnissen. Dessen ist sich zumindest Ernst Mössle sicher: Der 47-Jährige leitet in Herbrechtingen bei Ulm die Konstruktionsabteilung des Blechverarbeitungsspezialisten Nest GmbH. Um die Jahrtausendwende seien die ersten Anfragen für komplexere Lösungen ins Haus gekommen, sagt der Techniker. Heute hat der damalige 30-Mann-Betrieb 80 Arbeitsplätze, davon sieben in der Konstruktion, um die geforderten Lösungen liefern zu können.

Diese entstehen meist im engen Dialog mit Kunden, die ihre hydraulischen, pneumatischen oder elektrotechnischen Vorgaben einbringen. Die Nest-Techniker und Ingenieure steuern ihre mechanische Fertigungskompetenz bei. Kommuniziert wird per CAD - im Computer entstehen dann auch die Baupläne. Sie gehen per E-Mail zwischen Auftraggeber und-nehmer hin und her, diskutiert werden die virtuellen Konstruktionsvorlagen dann am Telefon. "Wenn es richtig schnell gehen muss, schaffen wir es von der Idee bis zur Realisierung der Lösung binnen einer Woche", sagt Mössle. Üblich seien bei Neuentwicklungen aber Vorläufe von zwei bis drei Monaten.

Während im Werkzeugmaschinenbau vor allem der Preis- und Ergonomiedruck Innovationstreiber für die Blechverarbeiter sind, ist es in der Autoindustrie der hohe Ölpreis. Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht sogar davon, dass sich die Hersteller neu erfinden müssten. Dabei sind es auch hier die Ideen der meist mittelständischen Zulieferer, die dafür sorgen, dass bald womöglich leichtere und somit emissionsärmere Autos, Laster und Busse auf den Straßen rollen.

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