Blüthner Pianos Hier gibt die Familie den Ton an

Als einfacher Tischler beschließt Julius Blüthner vor mehr als 150 Jahren, sich als Klavierbauer selbstständig zu machen. Seine Pianos sind schnell in aller Welt begehrt – und sind es noch heute. Christian Blüthner-Haessler führt in fünfter Generation den Familienbetrieb, der Träumen Flügel verleiht.
  • Bert Fröndhoff
Auch die Feinabstimmung ist Handarbeit: Bei Blüthner ist Tradition gleichbedeutend mit Qualität. Foto: dpa

Auch die Feinabstimmung ist Handarbeit: Bei Blüthner ist Tradition gleichbedeutend mit Qualität. Foto: dpa

LEIPZIG. Die Finger gleiten über die Tasten, der konzentrierte Blick verliert sich im Raum. Christian Blüthner-Haessler spielt Klavier. Es ist keine Übungsstunde, kein Konzert. In einer Industriefirma würde das, was er tut, in die Abteilung „Qualitätssicherung/Produktkontrolle“ fallen.

Das Klavier verstummt, der 42- Jährige sagt: „Perfekt.“ Und so erhält der Konzertflügel im teuren Wurzelholz-Furnier die Freigabe zur Auslieferung. Bald wird einer der Top-Pianisten der Welt an ihm sitzen, in einem der großen Konzerthäuser. Denn die Flügel der Julius Blüthner Pianofortefabrik sind so etwas wie der Rolls-Royce der Branche. Bevor sie aus der Fabrikhalle nahe Leipzig rollen, werden sie von einem der drei Familienunternehmer der Blüthners höchstpersönlich getestet.

Draußen, neben der Halle in dem schmucklosen Gewerbegebiet, sind ganz andere Töne zu hören: Bagger heben Erdreich aus, LKWs schaffen Steine und Sand heran. Blüthner baut eine zweite Fertigungsanlage, denn die Nachfrage boomt.

„Wir könnten heute schon doppelt so viel verkaufen, wie wir herstellen können“, sagt Blüthner. 450 Flügel verlassen jedes Jahr das Gelände. Sie kosten so viel wie ein Mittelklassewagen, manche sogar an die 100 000 Euro. Eine brachiale Expansion will das Familienunternehmen zwar vermeiden, um die Qualität nicht zu gefährden. Doch in zehn Jahren, prophezeit der Chef, werde man die Kapazität verdreifacht haben.

Nüchtern betrachtet, macht das Familienunternehmen Blüthner aus Großpösna bei Leipzig seit Gründung im Jahr 1853 immer dasselbe: Es fertigt in Handarbeit hochwertige Produkte, deren Technik und Aussehen sich kaum verändert haben, und verschickt sie in alle Welt.

Die zurückliegenden 154 Jahre erzählen dennoch eine spannende Geschichte: von einer Firma, für die globales Geschäft schon Ende des 19. Jahrhunderts Alltag war. Die mit unerschütterlicher Leidenschaft für Produkt und Unternehmertum die DDR überstand. Und die für eine Erfolgsgeschichte im strukturschwachen Osten Deutschlands steht.

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