Börsen-Spezialsegmente buhlen um Mittelständler
Südlich des Mains lauern die Konkurrenten

Bevor die Börse Frankfurt unter großer Medienbegleitung ihren „Entry Standard“ präsentierte, hatte die Münchener Börse schon Nägel mit Köpfen gemacht. Am 1. Juli startete an der Isar das Mittelstandssegment „Maccess“.

FRANKFURT. „M“ steht dabei für Mittelstand, „Access“ für Zugang. Mittlerweile sind hier elf Unternehmen notiert. Im nächsten Jahr sei eine Verdoppelung zu erwarten, sagt Andreas Schmidt, Geschäftsführer der Börse München. Er erwartet eine Renaissance dieser Aktien und ist überzeugt, dass sich die Fehler des „Neuen Marktes“ nicht wiederholen.

Schmidt versteht seinen Mittelstandsmarkt als „Qualitätssegment“ und verweist gerne auf die höheren Transparenzvorschriften im Vergleich zu Frankfurt. Der gravierendste Unterschied zum Entry Standard liegt in der Pflicht, einen Prospekt für die Notierungsaufnahme zu erstellen, während in der Mainmetropole ein Exposé ausreicht. Schmidt sieht den etwas höheren Aufwand aber als gerechtfertigt an, da die Öffentlichkeit und die Anleger besser informiert werden. Außerdem bietet München in seinem Internetauftritt unter der Rubrik „Anlegerinformationen“ ein elektronisches Sprungbrett zu Unternehmensmeldungen, Jahresabschlüssen und Analystenkonferenzen der notierten Gesellschaften, während sich Frankfurt darauf beschränkt, dass die Informationen auf den Internetseiten der jeweiligen Unternehmen veröffentlicht werden müssen.

Maccess soll den Unternehmen aber den Rücken von zu hohem bürokratischen Aufwand freihalten; deshalb müssen beispielsweise keine Verzeichnisse über Firmeninsider oder englischsprachige Quartalsberichte erstellt werden. Die Mindestanforderung an das Grundkapital der Aktiengesellschaften liegt bei zwei Mill. Euro.

Trotzdem sind klassische Mittelständler – etwa aus dem Maschinenbau – noch rar in München. In Maccess tummeln sich derzeit Energiepezialisten wie SAG Solarstrom, Phönix Sonnenstrom oder die Kanzleivermittlung Jost.

„Traditionelle Unternehmen brauchen etwas länger, bis sie sich zum Börsengang entschließen“, sagt Schmidt. Es gebe aber wöchentlich neue Anfragen, darunter befänden sich auch viele Interessenten aus den klassischen Industriebranchen. Das Segment habe keinen regionalen Bezug, sondern stehe Firmen aus ganz Deutschland offen. Vor der Konkurrenz aus Frankfurt fürchtet sich Schmidt nicht, eher sieht er Vorteile. „Wir sind doch selbst Mittelständler, deshalb verstehen wir unsere Kunden.“

In Stuttgart wirbt „Gate-M“ seit dem 1. Januar 2004 um den Mittelstand. Auch hier verzichtet die Börse Stuttgart auf kostentreibende Publizitätsvorschriften; es werden keine „strukturierten Quartalsberichte“ und keine Abschlüsse nach den internationalen Bilanzregeln IAS oder US-GAAP verlangt. Es gibt aber einen gravierenden Unterschied zu Frankfurt und München: die Mindestvoraussetzung ist eine Notierung im Geregelten Markt. Das bedeutet, dass Firmen kursbewegende Veränderungen sofort veröffentlichen müssen. Die Finanzaufsicht BaFin überwacht diese „Ad-hoc-Pflicht“.

„Stuttgart spricht mehr den Privatanleger an, deshalb ist für uns der Anlegerschutz wichtig“, sagt ein Sprecher der Börse. Stuttgart sei in erster Linie für Unternehmen da, die schon Kapitalmarkterfahrung hätten. Ein Parkett für die ersten Börsenschritte ist es eher nicht. Mit Gate-M könne ein Unternehmen aber neue Investoren gewinnen. Notiert sind in Gate-M derzeit 21 Aktiengesellschaften. Die anvisierten 40 bis 50 Notierungen innerhalb von drei Jahren gelten angesichts der in jüngster Zeit eher spärlichen Zugänge als ambitioniertes Ziel.

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