Börsengänge
Mittelständler zapfen den Kapitalmarkt an

Auf der Suche nach neuen Finanzierungsquellen legen auch Familienunternehmen ihre Zurückhaltung gegenüber der Platzierung von Aktien ab. Zwar sind Börsengänge von Mittelständlern bisher noch eher eine Ausnahmeerscheinung, doch der Trend nimmt zu.
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KÖLN. Das Geschäftsmodell ist seit Jahrhunderten bewährt: Ihr Geld verdient die Ingolstädter BHB Brauholding Bayern-Mitte mit der Herstellung und dem Vertrieb von Bier. Eine solide Produkt-Story sowie Wachstumschancen in der Region und im Ausland - das waren beste Voraussetzungen für den Börsengang im Juli. Beherzt griffen die Anleger zu, als die BHB 1,6 Mio. Aktien zwecks Kapitalerhöhung an der Münchener Börse platzierte. Das Angebot war deutlich überzeichnet.

200 000 Euro kostete der Börsengang, neun Monate Vorlaufzeit waren nötig. Zunächst einmal sei das eine "erhebliche Belastung" für das Management gewesen, sagt Vorstand Franz Katzenbogen. Doch im Gegenzug spielte die Firma 4,5 Mio. Euro ein. Mit einem Teil davon baut das Unternehmen Verbindlichkeiten ab. Der Rest soll helfen, das Wachstum zu beschleunigen. Rasch ging das Management ans Werk: Jüngst wurden die Marken- und Vertriebsrechte einer Brauerei bei Nürnberg erworben.

Zwar bildet die BHB Brauholding mit ihrem Börsengang noch eine Ausnahme im Mittelstand. Doch die Kapitalmarktorientierung nimmt zu. "Umfragen zeigen, dass 20 Prozent der größeren Mittelständler einen Börsengang in Erwägung ziehen", sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft. Weil die Banken immer noch nur zögerlich Kredite bewilligen, suchen die Unternehmen neue Finanzierungsquellen.

Mehr finanzieller Spielraum

Hauptziel bei der Platzierung von Aktien sei, das Eigenkapital zu stärken, sagt Hendrik Schindler, Anwalt der Kölner Kanzlei CMS Hasche Sigle. "Damit wird das Unternehmen von der Finanzierungskraft der Gesellschafter unabhängig, aber auch von den Banken." Vor allem größere Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten und Umsätzen ab 50 Mio. Euro pro Jahr kämen für einen Börsengang infrage. Vorteilhaft sei auch eine Ausrichtung auf Zukunftsmärkte wie Umwelttechnik oder erneuerbare Energie.

Freilich bremst die Angst vor einem Kontrollverlust sowie der Einmischung der Kapitalgeber die Börseneuphorie. Vielen Familienbetrieben behagt es zudem nicht, auch negative Geschäftsentwicklungen kommunizieren zu müssen. Unter den drei Mio. deutschen Firmen befinden sich gerade einmal 13 000 Aktiengesellschaften, nur 1 000 sind davon an der Börse notiert. Ein "enormes Wachstumspotenzial" liege brach, teilt die Deutsche Börse mit.

Viele Mittelständler schreckt der Aufwand ab. Einige Handelsplätze steuern daher mit eigenen Segmenten gegen. Die Regionalbörse Hamburg-Hannover etwa bemüht sich mit dem Premium Capital Port um den Mittelstand, die Frankfurter Börse bietet den Entry Standard.

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