Börsenkrise gut gemeistert
Sparkassenchef geht eigene Wege

Das Biberacher Institut investiert in die mittelständische Industrie - und verdient dabei gut. Die Bank hat für den Aktien-Kauf eine ausgefeilte Strategie: Die Firmen dürfen maximal eine Tagesreise von Biberach entfernt sein.

STUTTGART. Die oberschwäbische Kreissparkasse Biberach (KSK) sorgt für Schlagzeilen. Seit einigen Monaten streitet ihr Chef Otmar Weigele (51) mit dem Pharmaunternehmer Adolf Merckle um den Einfluss beim Pistenbully-Hersteller Kässbohrer. Die Sparkasse verfügt über knapp 40 % der Aktionärsstimmen, die Familie Merckle zusammen mit Freunden über 50 %. Auf einer spektakulären Hauptversammlung Ende März kam es zum Putsch: Weigele wurde im Aufsichtsrat abgesetzt, Adolf Merckle nahm Platz. Die Biberacher Sparkasse lässt nun gerichtlich prüfen, ob das rechtens ist.

Das kleine Institut macht immer wieder mit seinen Investments in mittelständische Firmen auf sich aufmerksam. Die KSK mit 4,2 Mrd. Euro Bilanzsumme, die auf der Liste der größten deutschen Sparkassen auf Platz 50 liegt, teilte im April mit, 5,6 % der Aktien am Autozulieferer Dürr zu besitzen. Einer von etwa 30 Aktienwerten, in denen die KSK engagiert ist. Ungewöhnlich für eine Sparkasse, heißt es beim Sparkassenverband Baden-Württemberg. Dort weiß man, dass die Bank eigene Wege geht. Weigele wird in Verbandskreisen als ein „sehr selbstbewusster Banker“ bezeichnet, dem der Erfolg Recht gebe.

Dem streitbaren, aber dennoch verschwiegenen Banker Weigele ist die Aufmerksamkeit, die ihm das Kässbohrer-Debakel einbringt, unangenehm. Vor zwölf Jahren, als er Chef der Sparkasse wurde, hat er das Geschäftsmodell neu definiert. Der promovierte Banker, der Betriebswirtschaft, Kunstgeschichte und Philosophie in Mannheim, Wien und Toronto studierte, war damals überzeugt, dass die hohen Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts der 70er- und 80er-Jahre unwiderruflich vorbei seien. Mit tief greifenden Folgen für die Bankenbranche: Mit sinkendem privatem Wohlstand wird sich auch die Verweildauer der Spareinlagen bei den Sparkassen verringern. Wie viele seiner Kollegen baute Weigele das Kapitalmarktgeschäft aus. Den Schwerpunkt seiner Anlagestrategie setzte er aber auf börsennotierte Spezialwerte.

Die Bank hat für den Aktien-Kauf eine ausgefeilte Strategie: Die Firmen dürfen maximal eine Tagesreise von Biberach entfernt sein, damit Weigele und sein Team die Vorstandschefs ohne großen Aufwand besuchen können. „Wir sind in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz aktiv“, sagt Weigele. Zu seinen Auswahlkriterien gehört, dass er die Branche versteht und die Mitspieler kennt. „Was wir nicht verstehen, kaufen wir nicht“, sagt Weigele. Entscheidend ist auch, dass die Führungskräfte des Unternehmens vertrauenswürdig sind. Die Obergrenze liegt bei 30 Werten, mehr könne man nicht im Blick behalten. Die Aktien werden in Spezialfonds extern verwaltet. Unter anderem ist die KSK mit 5 % an der Deutschen Beteiligungs AG, mit 20 % an der Grundstücks- und Baugesellschaft Heidenheim (GBH) und in der Schweiz mit 5 % an Motor Columbus beteiligt.

Den Firmen ist die KSK als Aktionär willkommen. „Wir wussten schon seit einiger Zeit, dass die KSK unsere Aktien kauft“, sagt eine Firmensprecherin von Dürr. In der Öffentlichkeit ist dagegen nichts bekannt geworden. „Bei einem so engen Wert wie Dürr mussten wir sehr verschwiegen vorgehen“, sagt Weigele und fügt hinzu: „Im Einkauf liegt der Gewinn.“

Die KSK ist bislang gut durch die Börsenkrise gekommen. Die durchschnittliche Aktienrendite der vergangenen sechs Jahre lag bei 5,8 %. In den vergangenen zwei Krisenjahren lag das Minus jeweils im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Mit ein Grund, warum die Sparkasse in Baden-Württemberg an der Spitze bei der Eigenkapitalrendite liegt: Die KSK kommt auf gut 24 %. Bei der Kennzahl Cost Income Ratio schafft sie 54 %. Allerdings hat der Biberacher Landkreis auch eine gesunde Wirtschaftsstruktur mit großen Arbeitgebern wie Boehringer Ingelheim und dem Baumaschinenhersteller Liebherr. Das Kreditausfallrisiko ist gering. Zudem bietet die Sparkasse eine preiswerte Kontoführung an, um Kunden zu binden. Intern setzt Weigele auf Mitarbeitermotivation. Auch da hat er eigene Ideen: Seine Filialchefs sollen alle Mitarbeiter mit ertragreichen Aufgaben beschäftigen. „Wer Personal abbaut, muss Abzüge beim Budget hinnehmen“, sagt Weigele.

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