Bond als Fangeschenk
Der Hype der Firmenanleihen

Der FC Schalke 04 zeigte mit seiner Kicker-Anleihe wie es geht: Anleihen können auch für Mittelständler eine denkbar sinnvolle Alternative sein. Für Anleger können solche Bonds aber auch ein erhöhtes Risiko darstellen.
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ParisWenn es ums Geld geht, zeigt sich der FC Schalke 04 kreativ: Die jüngste Fan-Anleihe gab es als Schmuckurkunde hinter Glas gerahmt, wahlweise in einer Stückelung von 100, 500 oder – angelehnt an das Gründungsjahr – 1904 Euro. Neben einem schlagkräftigen Slogan („Auf Schalke wird wieder Kohle gefördert“) hatte Finanzvorstand Peter Peters noch ein weiteres Argument parat: „Die Anleihen eignen sich auch als Geschenk zu Weihnachten.“ Dass der hochverschuldete Klub nur 5,5 Prozent Zinsen zahlte, hielt die Fans nicht ab: Elf Millionen Euro konnte Schalke erlösen – weit mehr als erwartet.

Der unverhoffte Erfolg der Kicker-Anleihe hat auch andere Mittelständler aufmerksam gemacht: Anleihen als Alternative zum Bankkredit erleben seit der Schalke-Emission vor rund sechs Monaten einen regelrechten Hype. Ob Müsli-Produzent Schneekoppe, der Werkzeugmaschinenbauer MAG oder zuletzt das Solarunternehmen Sic Processing – zunehmend bedienen sich auch kleinere Unternehmen auf dem Kapitalmarkt. „Die Nachfrage hat über alle Branchen hinweg extrem zugenommen“, sagt René Parmantier, Vorstand der Close Brothers Seydler Bank. „Es entsteht ein ganz neuer Markt, der an Bedeutung weiter zunehmen wird.“

Niedrige Zinsen und die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken beflügeln Unternehmensanleihen zusätzlich. Bereits zwischen 2007 und 2009 hatte sich das Volumen der Neuemissionen nach Angaben der Finanzberatungsgesellschaft FMS auf 115,6 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Nach einem Absturz auf 47,3 Milliarden Euro im vergangen Jahr soll es jetzt erneut steil bergauf gehen: „2011 werden wir den Rekord von 2009, zumindest was die Stückzahl angeht, sicher übertreffen“, sagt FMS-Vorstand Wolfgang Müller.

Wachsender Kreis von Interessenten

Grund sei der Ansturm aus dem Mittelstand: „Früher haben sich fast nur Großkonzerne mit dem Rating einer internationalen Agentur auf den Kapitalmarkt gewagt“, sagt Müller. „Mittlerweile fassen das auch Mittelständler mit Ratings von Euler Hermes oder der Creditreform ins Auge.“

Möglich ist das auch, weil die deutschen Börsen eigene Plattformen für die neue Klientel ins Leben gerufen haben. In Stuttgart hat das Mittelstandssegment Bondm bisher Anleihen mit einem Volumen von rund 900 Millionen Euro aufgenommen. Auch in München, Düsseldorf und Frankfurt können Mittelständler ihre Bonds platzieren. Die Nachfrage der Anleger ist ungebrochen – trotz etlicher Gefahren. Bei einer Mittelstandsanleihe mit einem mehr als siebenprozentigen Zinskupon muss sich der Käufer über ein überdurchschnittliches Ausfallrisiko bewusst sein.

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