Bonität von Mittelständlern
Deutsche Spitzenfirmen mit mauen Finanzen

Mittelständische Unternehmen zählen oft zur Weltklasse. Doch die Ratingagentur Standard & Poor’s hat nun die Finanzkraft von 25 Firmen abgeklopft. Die Ergebnisse fallen schlechter aus als bei Creditreform.
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DüsseldorfDie Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit von 25 deutschen Mittelständlern untersucht. Das Ergebnis der Stichprobe fällt mittelmäßig aus: Die Gesellschaften vom Schnapsbrenner Berentzen über Maschinenbauer wie Wacker Neuson oder Manz bis hin zum Fußballclub Schalke 04 landen eher im mittleren bis unteren Bereich der Ratingskala von S&P.

Allein die Software AG, ein Spezialist für die elektronische Datenverarbeitung bei Unternehmen, stufen die Bonitätswächter im Bereich der Note „BBB“ ein. Damit würde der Konzern mit Sitz in Darmstadt der sicheren Anlageklasse rangieren. Der sogenannte „Investment Grade“ reicht von der Topnote „AAA“ bis „BBB–“.

Einige Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen oder Fonds dürfen wegen gesetzlicher Vorschriften oder aufgrund ihrer eigenen Richtlinien nur in diese Klasse investieren. Unternehmen mit einer Bonitätsnote der sicheren Kategorie haben es bei der Finanzierung entsprechend leichter – und die Kreditkosten fallen deutlich billiger aus.

Von der Note „BB+“ abwärts beginnt die spekulative Anlageklasse, die für manche Investoren tabu ist. Und in diese Kategorie fallen die meisten der 25 untersuchten deutschen Mittelständler. Immerhin bürdeten sich 44 Prozent der von S&P untersuchten Unternehmen eine „sehr hohe“ Kreditlast auf, 12 Prozent eine „aggressive“ und 16 Prozent eine „erhebliche“. Lediglich 24 Prozent der Firmen weisen laut S&P ein „mittleres“ und sogar nur vier Prozent ein „moderates“ Finanzrisikoprofil auf.

Allerdings: Selbst deutsche Top-Unternehmen wie der Windanlagenbauer Nordex, der Saatguthersteller KWS Saat oder der Automobilzulieferer Grammer sowie der Spezialtechniker Pfeiffer Vacuum können nicht mit der Finanzkraft von Weltkonzernen wie Apple, Coca Cola sowie Johnson & Johnson oder Exxon mithalten, welche die Ratingexperten von S&P oder den Konkurrenten Moody’s und Fitch üblicherweise bewerten.

Die S&P-Experten warnen zudem davor, von den Stichproben auf die generelle Bonität der Mittelständler zu schließen. „Die Kreditqualität von mittelständischen Unternehmen in Deutschland unterscheidet sich sehr stark, und es gibt sehr wohl „höhere“ als auch „niedrigere“ Qualitäten“, sagt Analyst Tobias Mock. Dies sei letztlich Ausdruck der Vielzahl von unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Finanzstrategien der jeweiligen Eigentümer. „Eine detaillierte Kreditanalyse des einzelnen Unternehmens ist insofern erforderlich“, folgert Mock.

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S&P strenger als heimische Konkurrenz

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  • Waren die nicht unter denen, die damals alle sub prime Papiere mit triple A bewertet haben?
    Deren Urteil hat soviel Relevanz, wie eine Kunstrezension eines Pavians.
    Dass sich solche Vollluschen überhaupt noch am Markt halten können, ist für mich immer wieder ein Beweis dafür, was für ein Narrenschiff unser Wirtschaftssystem doch im Grunde ist.

  • DIE FI-MO-STAPO AGENTUREN SIND AMERIKANISCHE PRIVATFIRMEN

    Und so stellt sich schon die Frage, warum ohne Auftraggeber hier Bewertungen deutscher mittelständischer Unternehmen vorgenommen werden.
    - Wahrscheinlich hat man momentan Beschäftigungslücken.;-)
    Und dem amerikanischen Nationalstolz kann es zugeschrieben werden, dass dort ansässige Firmen Zurückhaltung üben in der Bewertung ihres Heimatlandes. Wer läßt sich schon gerne die Fensterscheiben einschlagen – und dies im 31. Stockwerk?
    Die Ratingagentur DBRS (Kanada) sollte man nicht unerwähnt lassen: Ist sie doch zuständig für die durch Banken bei der EZB hinterlegten Kreditsicherheiten. Und war es nicht mehr als fragwürdig, als im Juni d.J. Durch Rückdatieren von Wertpapier-Ratings ein Kaffeesatzlesen zum Metier der EZB zu werden drohte?
    Und ist es nicht wohltuend, dass die eigene europäische Ratingagentur der EU nicht wie zäher alter Kaugummi durch die Nachrichten geistert?
    Nehmen wir es doch, wie es ist!
    Die Bewertungen kommen stets so, dass sie passen. Fragt sich nur für wen. Regelhaft ist es wichtig, dass sie entweder zu früh oder zu spät kommen, damit wichtige Entscheider erst mal in Ruhe entscheiden.

    SO IST DAS.

  • Schön, dann kann man doch wirkliche Werte günstig für grün bedrucktes Papier bekommen.

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