Bonitätsmessverfahren
Die Note beeinflusst den Kreditzins

Gutes Rating macht Kredite billig, schlechtes Rating macht sie teuer. Wie teuer, das ist einstweilen noch Bankgeheimnis – außer bei der KfW-Mittelstandsbank. Sie hat ein ausgefeiltes System veröffentlicht, wie sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreditnehmer seinen Verbindlichkeiten nicht nachkommen kann auf den Preis, für einen Kredit auswirken.

DÜSSELDORF. „Die Hausbanken machen das momentan noch frei Schnauze“, sagt ein Banker freiweg. Mit dem offenen Bekenntnis zu dieser Art risikogerechter Preisfindung für Kredite will der Banker natürlich nicht namentlich zitiert werden. In wenigen Wochen treten offiziell die Basel-II-Richtlinien für Banken in Kraft. Längst müssen die Banken systematische Bonitätsmessverfahren (Rating-Prozesse) für Kreditkunden installiert haben. Andernfalls drohen Abmahnungen seitens der Bankenaufseher. Doch wie weit die Geldinstitute die Systeme in der Praxis umsetzen, um wirklich risikogerechte Preise, sprich Zinsen, für Kredit zu finden, das ist eine andere Frage.

Momentan sitzen Kreditnehmer am längeren Hebel. Alle Banken haben den Mittelstand als Zielgruppe definiert, die es besonders zu pflegen gilt. Sparkassen und Volksbanken wollen ihre hohen Marktanteile in diesem Wirtschaftsbereich nicht verlieren. Private Banken wollen ihre meist kleinen Anteile erhöhen. Währenddessen hat die mittelständische Kundschaft die Lektionen der vergangenen Jahre gelernt. Vielfach haben Unternehmer – gezwungenermaßen oder freiwillig – die Fremdfinanzierungen verringert. Die Eigenkapitalanteile in den Bilanzen sind gestiegen. Eine von vielen Bedingungen für gutes Rating und günstigen Kredit ist damit heute besser erfüllt als noch vor Jahren. Noch günstiger ist es für Kreditnehmer, dass Banken derzeit hohe Einlagen zur Verfügung haben, die sie im Kreditgeschäft unterbringen wollen. Der Verein Creditreform vermutete deshalb schon im Sommer, Kundenbonitäten fänden – zumindest bei der Vergabe von Konsumentenkrediten – nicht immer die eigentlich erforderliche Beachtung. Auch im Firmenkreditgeschäft werde Bonität in Zukunft zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal für die Preisfindung von Krediten – noch mehr als es heute offenbar der Fall ist.

Maßstab für die Günstigkeit von Kredit ist nicht die absolute Höhe des Zinses sondern der Aufschlag auf das Zinsniveau für Einlagen und Kapitalmarktanlagen; also auf den Zins, zu dem Banken Geld von Sparern und Anlegern einkaufen. Bei einem Marktzins für den Geldeinkauf der Banken von beispielsweise acht Prozent, wie er früher durchaus üblich war, ist ein Verkaufszins für Kredit von neun Prozent sehr billig. Dagegen ist ein Kreditzins von fünf Prozent bei einem Kapitalmarktzins von vier Prozent teuer. Wie hoch der Einkaufzins von Banken und Sparkassen im Einzelfall ist, das ist freilich oberstes Bankgeheimnis. Die KfW-Bank hat ein ausgefeiltes System veröffentlicht, wie sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreditnehmer seinen Verbindlichkeiten nicht nachkommen kann (Ausfallwahrscheinlichkeit), sowie die Güte der von ihm beigebrachten Sicherheiten auf den Preis für einen Kredit auswirken. Danach ist der Kredit im ungünstigsten Fall um 81,5 Prozent teurer als bei solidesten Rating-, sprich Bonitäts- und Sicherheitsbedingungen. Aktuell bedeutet dies: Der Überziehungskredit für ein ungünstig geratetes Unternehmen kann 12,8 Prozent Jahreszins kosten, während ein anderes Unternehmen mit gutem Rating 7,05 Prozent bezahlt. 7,05 Prozent gibt die Europäische Zentralbank jüngst als repräsentativen Zins für Überziehungen nicht-finanzieller Kapitalgesellschaften an, wie gewerbliche Unternehmen im Jargon der Zentralbankstatistik heißen.

Das KfW-System gilt bei der Preisfindung für Förderkredite. Die Angaben zu Ausfallwahrscheinlichkeiten und Sicherheitsbewertungen müssen dabei allerdings die Hausbanken beisteuern. Wie Banken und Sparkassen in ihrem eigenen Kreditgeschäft verfahren, das liegt in ihrem Ermessen. Dass sie ähnlich verfahren werden wie die KfW, ist eine nahe liegende Vermutung. Es sei denn, sie wollen neue Kunden mit besonders guten Angeboten überzeugen und auf diese Weise Marktanteile gewinnen.

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