Borrowing Base
Sicherheit auf Lager

Die Banken sind wegen der Finanzkrise nicht mehr so liquide und handhaben die Kreditvergabe strenger. Viele Mittelständler müssen sich nach Alternativen zum Bankkredit umsehen. Eine dieser Alternativen ist die so genannte Borrowing-Base-Finanzierung. Sie ist besonders geeignet für Mittelständler, die zwar wenig Eigenkapital haben, aber einen großen Lagerbestand.

KÖLN. Um Borrowing-Base-Finanzierungen zu bekommen, ist eine hohe Eigenkapitalquote nicht so bedeutend. Wichtiger ist das Umlaufvermögen - vor allem in Form gelagerter Rohstoffe oder Waren. "Borrowing Base ist Lagerfinanzierung", erklärt Finanzierungsexperte Werner Weiß von der Unternehmensberatung Tec7, die vor allem Mittelständler als Kunden hat. Es wird oft in einem Atemzug mit Asset Based Lending (ABL) genannt. Im angelsächsischen Raum ist ABL sowohl Lager- als auch Forderungsfinanzierung. In Deutschland ist es in der Regel nur eine Form der Forderungsfinanzierung, ähnlich wie Factoring, bei dem die Forderungen an einen Dritten verkauft werden. Für die Lagerfinanzierung gibt es hier Borrowing-Base-Angebote.

Wie weit ein Unternehmer die Kreditlinie ausschöpfen kann, die er mit dem Borrowing-Base-Anbieter vereinbart hat, hängt davon ab, wie dieser die Sicherheiten bewertet. Der größte Vorteil dieser Finanzierung ist, dass sich der Kredit dem Finanzierungsbedarf anpasst. Wenn zum Beispiel die Rohstoffpreise steigen und damit auch der Kapitalbedarf eines Unternehmens, steigt üblicherweise auch der Wert der Sicherheiten, also des Lagers. "Die Bewertungsgrundlage der Sicherheiten sind in der Regel 60 bis 80 Prozent des jeweils aktuelle Verkehrswerts, abzüglich der Verbindlichkeiten für die Lieferanten", sagt Weiß.

Borrowing Base eignet sich nach Experteneinschätzung besonders für Mittelständler mit stark schwankendem Geschäft oder großem Wachstum. Denn wenn der Umsatz steigt, erhöht sich auch das Umlaufvermögen, und der Finanzierungsbedarf kann sprunghaft steigen. Wer dann kein Geld hat, um das Wachstum zu finanzieren, muss mehrere Gänge zurückschalten. Im schlimmsten Fall droht gar die Zahlungsunfähigkeit. Ein atmender Kredit, der sich dem Geldbedarf anpasst, kann Abhilfe schaffen.

Das Problem an Borrowing Base ist allerdings: Der Vermieter eines Lagers hat häufig das Pfandrecht für die Ware, die darin liegt. Wer sie anderweitig als Sicherheit angibt, kann in einen Konflikt mit seinem Vermieter geraten. "Deshalb macht der Finanzierer deutliche Abschläge beim Lagerbestand", sagt Weiß. Wenn der Firmenchef der Besitzer des Lagers ist, hat er es zudem oft schon als Sicherheit bei der Bank angegeben. "Borrowing Base macht eigentlich nur für Gesellschaften mit großem Lagerbestand Sinn.", sagt Weiß. "Und es ist daher auch nur sehr wenig verbreitet."

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