Branchen-Überblick
Türkei wird zum Segelweltmeister

Die Türkei profiliert sich mit dem Bau von Segel- und Motorbooten als globaler Player. Bei der Herstellung von Megayachten gehören die türkischen Werften mittlerweile zur Weltspitze.
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ISTANBUL. Ob in den Ferienorten der türkischen Mittelmeerküste oder an den Anlegern der feinen Istanbuler Vororte am Bosporus und am Marmarameer - an Wasserfahrzeugen herrscht kein Mangel. Kleine Segelboote liegen dicht gedrängt neben 30-Meter-Motorjachten, und ein großer Teil von ihnen wurde in der Türkei gebaut.

Die rund 360 einheimischen Unternehmen der Sparte erzeugten nach Angaben des Branchenverbandes Dentur 2008 insgesamt 2.250 Segel- und Motorboote. Der Gesamtumsatz betrug etwa vier Milliarden US-Dollar (US$), wovon 2,5 Milliarden US$ im Export erwirtschaftet wurden. "Wenn nichts dazwischenkommt, wird es nach dem Ende der Krise weiter steil aufwärtsgehen", sagt Yavuz Sipahi, Vorsitzender von Dentur. Insbesondere der inländische Markt mit einer jungen und aktiven Bevölkerung sei noch kaum entwickelt und biete entsprechendes Potenzial.

Wegen der hohen, jährlich anfallenden Steuern fährt ein beträchtlicher Teil der Boote in türkischen Gewässern unter fremder Flagge, etwa jener von Gibraltar oder des US-Bundesstaates Delaware. Der genaue Umfang der inländischen Flotte von Segel- und Motorbooten ist daher nicht einfach zu beziffern, gemeldet sind circa 38.000 Boote. Wachstumschancen hat vor allem der Bereich kleinerer Freizeitboote. Weniger wohlhabende Hobbykapitäne könnten davon profitieren, wenn neben teuren Marinas vermehrt einfache Bootsrampen und Lagermöglichkeiten an Land eingerichtet würden, so Sipahi weiter.

Traditionell ist die Werftindustrie der Türkei im Großraum Istanbul zu Hause. Seit es an den alten Standorten am Goldenen Horn oder in den Buchten des Bosporus für die meisten Betriebe zu eng wurde, ist vor allem der östliche Vorort Tuzla am Marmarameer Heimat der Schiffbauer. Hier entstehen Personenfähren, Stückgutfrachter und Tankschiffe. Dazwischen schrauben einige Arbeiter aber auch an edlerem Gerät: Sie bauen Schnellboote für die Küstenwache oder üppig motorisierte Megajachten für die Reichen der Welt.

In Sachen Qualität haben die türkischen Werften in den vergangenen Jahren deutlich aufgeschlossen, urteilt David Robinson vom Fachblatt "The Yacht Report". Selbst die italienische Edelmarke Azimut-Benetti lässt mittlerweile einen Teil ihrer Modelle dort fertigen. Seit 2008 arbeitet der Branchenführer mit der Firma Sirena Denizcilik aus Bursa zusammen. Mehrere Modellserien entstehen nun komplett im Nordwesten der Türkei. Der Kostenvorteil gegenüber einem Bau in Westeuropa beträgt rund 20 bis 25 Prozent, schätzt Robinson.

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