Branchenprognose Werkzeugindustrie
Keine Angst vor dem nächsten Abschwung

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie geht davon aus, dass der Aufschwung in der Branche anhält. Viele Unternehmen haben ihre Finanzkraft deutlich verbessert und kännten so auch magerere Zeiten überbrücken. Eine Krise wie Mitte 90er-Jahre droht nicht mehr.

DÜSSELDORF. Zumindest für 2008 erwarten die Unternehmen noch keine Geschäftseinbußen, auch wenn die Dynamik ab dem zweiten Halbjahr abflauen wird: „Wir bleiben bei unserer Prognose von zehn Prozent Produktionszuwachs in diesem Jahr“, sagte Detlev Elsinghorst vom Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) anlässlich der Eröffnung der internationalen Messe für Fertigungstechnik und Automatisierung (Metav) in Düsseldorf.

Allerdings nehmen die Risiken für die seit fünf Jahren wieder auf der Erfolgswelle schwimmenden deutschen Werkzeugmaschinenbauer unverkennbar zu: Die Weltkonjunktur dürfte als Folge der Krise auf den internationalen Finanzmärkten Schwung verlieren, obendrein verteuert der starke Euro die Exporte in den Dollarraum. Außerdem geht der Aufschwung in der mittelständisch geprägten Branche bereits ins fünfte Jahr, was verglichen mit zurückliegenden Konjunkturzyklen ungewöhnlich lange ist. Vor diesem Hintergrund ist „ab dem Jahr 2009 mit einer vorübergehend rückläufigen Branchenentwicklung zu rechnen“, heißt es in einer aktuellen Studie der IKB Deutsche Industriebank, die anlässlich der Metav erschienen ist. Im Moment besteht allerdings kaum Grund zur Klage: Der hohe Auftragsbestand kann nur langsam abgebaut werden, weil die Unternehmen noch voll ausgelastet sind.

„Das dynamische Produktionswachstum seit dem Jahr 2004 belegt eindrucksvoll den weltweiten Erfolg der deutschen Werkzeugmaschinenbauer“, urteilen die IKB-Experten. Lag der Gesamtumsatz 2003 noch bei 9,1 Mrd. Euro, schaffte die Branche im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 16 Prozent auf 12,5 Mrd. Euro. Wesentlich dazu beigetragen hat die kräftig erhöhte Nachfrage aus dem Inland. Aber auch der Export stieg nochmals um zehn Prozent, wobei der Großteil des Zuwachses auf Kunden aus Europa entfiel. Rund 60 Prozent der Ausfuhren der deutschen Werkzeugmaschinenbauer gehen nach Europa, die wichtigsten Nachfrageimpulse kommen weiter aus dem Automobilbau und von dessen Zulieferern sowie aus dem übrigen Maschinenbau.

In den vergangenen Jahren konnte die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie von ihrer starken Ausrichtung auf Europa profitieren. Die mehr als 500 Unternehmen mit ihren 65 000 Mitarbeitern stehen für einen Anteil von rund 18 Prozent an der weltweiten Produktion von Werkzeugmaschinen. Die deutschen Hersteller haben damit den Abstand zum Branchenprimus Japan (20 Prozent) verringert und den Drittplatzierten China (14 Prozent) auf Distanz halten können.

Auch was ihre Ertragskraft angeht, befinden sich die deutschen Werkzeugmaschinenbauer auf einem guten Weg. Wie die IKB-Analysten ermittelt haben, steigerten die zum Kundenkreis der Bank gehörenden Unternehmen ihre operative Marge (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Verhältnis zur Gesamtleistung) seit 2003 um 2,5 Punkte auf 9,5 Prozent im vergangenen Jahr. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme um fast sechs Punkte auf 32 Prozent. Damit liegen die Werkzeugmaschinenbauer bei beiden Kennziffern nach wie vor unter dem Maschinenbau insgesamt.

Dennoch dürfte die Finanzkraft der meisten Unternehmen mittlerweile ausreichen, notwendige Reserven für magere Zeiten aufzubauen. Eine ähnliche Krise wie Mitte der 90er-Jahre droht nicht mehr.

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