Branchenstruktur
Mittelstand dominiert Medizintechnik

Tuttlingen nennt sich stolz "Weltzentrum der Medizintechnik": Tausende Menschen arbeiten in der Kreisstadt in überwiegend mittelständischen Unternehmen. Damit bildet die Tuttlinger Firmenstruktur die Branche ziemlich genau ab: Die Medizintechnik ist eine Domäne des Mittelstands. Wie die Familienunternehmen agieren.
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FRANKFURT. Über 400 Medizintechnikunternehmen mit 8 000 Beschäftigten arbeiten in Europas größtem Medizintechnikcluster Tuttlingen an neuen chirurgischen Instrumenten und Implantattechnologien. Deswegen nennt sich die Stadt an der Donau auch gerne "Weltzentrum der Medizintechnik". Die Kreisstadt im Südwesten Deutschlands hat rund 35 000 Einwohner und bietet etwa 21 000 Arbeitsplätze. Täglich pendeln 12 000 Menschen zur Arbeit nach Tuttlingen.

Die Firmenstruktur in Tuttlingen ist typisch für die Branche der Medizintechnik: Die Industrie ist stark mittelständisch geprägt. Von den 1 250 Unternehmen, die der Branchenverband Spectaris ausweist, beschäftigen mehr als 1 000 Betriebe weniger als 250 Mitarbeiter.

So zählt die B.-Braun-Tochter Aesculap mit weltweit 9 000 Mitarbeitern zu den großen Anbietern im Markt und ist in Tuttlingen mit 2 800 Beschäftigten auch größter Arbeitgeber. Weitere bekannte Unternehmen vor Ort sind die Karl Storz, die Endoskope und andere medizinische Instrumente herstellt, sowie Richard Wolf, ebenfalls auf Endoskope spezialisiert.

Schwächelnder Export zog Umsatz nach unten

Die Medizintechnikbranche in Deutschland ist mit zuletzt 17,8 Milliarden Euro Umsatz sehr stark auf den Export ausgerichtet: Rund zwei Drittel der Produkte gehen ins Ausland. Weil viele Märkte im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise eingebrochen sind, zog der Export die gesamte Entwicklung nach unten: Der Branchenverband Spectaris erwartet in diesem Jahr ein Minus von drei Prozent.

Im nächsten Jahr soll es aber schon wieder aufwärts gehen, ein Plus von insgesamt drei Prozent scheint 2010 möglich. Aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus und des Nachholbedarfs auf vielen Märkten erwartet Spectaris-Geschäftsführer Sven Behrens auch beim Export ein Plus von drei Prozent.

In Deutschland helfen die Konjunkturprogramme der Branche, und die halbwegs stabile Nachfrage im Gesundheitswesen, insbesondere von Verbrauchsmaterialien, stützt den Markt. Deshalb geht der Verband von einem leicht wachsenden Markt aus. Stabil bleibe die Zahl der Beschäftigten mit knapp 100 000.

Unternehmen setzen auf Schwellenländer

Um sich künftige Wachstumsmärkte zu erschließen, setzen immer mehr Unternehmen auf Expansion in Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien und China. Die Region Mittel- und Südamerika beispielsweise, die erst knapp vier Prozent zum Umsatz beiträgt, wuchs 2008 um 15 Prozent. Und die europäischen Länder jenseits der EU legten um 14 Prozent zu.

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