Branchenüberblick
Klare Geschäftsideen für den Wassermarkt

Während der deutsche Wassermarkt stagniert, wächst der weltweite kräftig. Für die deutschen Anbieter spielt Export daher eine immer größere Rolle. Gefragt sind sie vor allem wegen ihres Spezialwissens sowie ihrer integrierten und nachhaltigen Lösungen. Doch der Wettbewerb wird härter. Um an der Spitze zu bleiben, verfolgen die Unternehmen unterschiedliche Strategien.
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KÖLN. Die Erdbewohner verbrauchen pro Jahr gerade mal die Hälfte des nutzbaren Süßwassers. Global betrachtet ist genug Wasser für alle da. Allerdings ist die Ressource Wasser sehr ungleich verteilt. Während Spanien versteppt, in den USA die Stauseen schrumpfen und in Afrika Dürren Hungerkatastrophen auslösen, verfügen Brasilien und Kanada über weit mehr Wasser, als sie benötigen. Aber selbst dort, wo genug Wasser vorhanden ist, beeinträchtigen Verschmutzung und Verschwendung den natürlichen Wasserkreislauf oder führt veraltete Infrastruktur zu Versorgungsengpässen.

Weltweit haben rund eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als doppelt so vielen stehen keine sanitären Einrichtungen zur Verfügung. Täglich sterben den Vereinten Nationen zufolge 4.000 Menschen, weil sie verschmutztes Wasser getrunken haben. Bevölkerungswachstum und Klimawandel verschärfen die Situation. Will die internationale Gemeinschaft die Millenniumsziele erreichen, die sie sich 2000 gesetzt hat, müssen bis 2015 jedes Jahr zusätzlich 100 Millionen Menschen auf der Welt Zugang zu sanitären Anlagen erhalten.

Das fordert die Wasserwirtschaft heraus. Sie entwickelt Technologien und Verfahren, um das kostbare Nass effizient zu gewinnen, aufzubereiten, zu verteilen sowie gleichzeitig die Gewässer und das Grundwasser zu schonen. Darüber hinaus stellen neue Schadstoffe, etwa aus der Pharmaindustrie, die Klärtechnik und Trinkwasseraufbereitung ständig vor neue Aufgaben. Über allem steht das Gebot der Nachhaltigkeit. Der globale Wassermarkt wird allen Prognosen zufolge weiterhin stark wachsen. Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) betrug das Umsatzvolumen 2007 weltweit rund 360 Milliarden Euro. Bis 2020 soll es auf 805 Milliarden Euro steigen. Denn in fast allen Teilen der Welt muss investiert werden. Das gilt auch für westliche Industriestaaten wie die USA oder das Vereinigte Königreich.

Gegenwärtig halten deutsche Anbieter nach Angaben des BMU global einen Marktanteil von etwa zehn Prozent. Dabei prägen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Wasserbranche. Die meisten Mitgliedsfirmen der Fachabteilung Wasser und Abwassertechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) beschäftigen weniger als 100 Mitarbeiter. Darin sieht Hans Birle, Referent der VDMA-Fachabteilung, einen Vorteil. „Deutsche Anbieter von Anlagen und Verfahren zur Wasseraufbereitung, Abwasser- und Schlammbehandlung verfügen über eine hohe -Flexibilität und können aufgrund kurzer -Entscheidungswege ihren Kunden sehr schnell maßgeschneiderte, an der Abwassersituation vor Ort orientierte Problemlösungen anbieten.“

Zahlen zur Wassertechnik in Deutschland sind schwer zu erfassen, da die Bandbreite der Produkte und Dienstleistungen groß ist. So viel ist sicher: Die Branche hängt vom Export ab. Die internationale Ausrichtung gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil der deutsche Markt zunehmend gesättigt ist. Laut VDMA haben die Hersteller von Industriearmaturen, Pumpen, Kompressoren, Gebläsen und Komponenten 2008 einen Umsatz von mehr als 4,5 Milliarden Euro erzielt, davon entfallen knapp zwei Milliarden Euro allein auf die Produzenten von Pumpen. Die Exportquote liegt bei etwa 80 Prozent. Fast die Hälfte der Ausfuhren geht in EU-Mitgliedstaaten, rund ein Fünftel in asiatische Länder wie China, Japan, Südkorea sowie Indien.

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