Brauerei
Neuzell bringt Bier und Wellness zusammen

Weil der deutsche Bierkonsum sinkt, geraten viele Brauereien in Existenznot. Die Klosterbrauerei Neuzell hat diese Sorgen nicht. Die kleine Brauerei aus Brandenburg hat eine lukrative Nische für sich entdeckt - und macht das Bier zum Wellness- Produkt.

KÖLN. Wer bei der Klosterbrauerei Neuzelle GmbH anruft, wird nicht etwa von einer Telefonzentrale empfangen. Der Chef selbst geht ran. "Wir sind ein Familienbetrieb, auch unsere Kunden sollen sich hier zuhause fühlen", sagt Stefan Fritsche, Geschäftsführer des Traditionsunternehmens in Brandenburg. Seine 40 Mitarbeiter stellen jährlich 40 000 Hektoliter Bier her, vor allem traditionelle Spezialitäten wie das Schwarzbräu "Schwarzer Abt" oder das starke Porter- und Bockbier. Die Neuzeller zeigen sich aber auch gerne kreativ: Sie mischen Kirschmuttersaft in das Bockbier und verkaufen es als Kirschbier, verbinden Sekt und Bier zu "Kir La Rouge" und drucken das ostdeutsche Ampelmännchen als Ratgeber für Biergenießer auf das Ampelmann Bier.

Solche Ideen sind in der Branche bitter nötig. Die Deutschen achten mehr denn je auf ihre Gesundheit - und trinken weniger Bier. Allein mit Geschmacksexperimenten kann sich die Klosterbrauerei dem Branchenproblem des rückläufigen Bierabsatzes nicht entziehen. "Und wir wollen die Konsumenten auch gar nicht anfeuern, mehr Bier zu trinken", betont Geschäftsführer Fritsche. "Bier ist gesund, aber eben nur in Maßen."

Die findigen Bierbrauer sind auf den Wellness-Zug aufgesprungen und bieten Gerstensaft mit Zusatznutzen an. Functional Food heißt im Branchenjargon, was in der Klosterbrauerei als "Anti-Aging-Bier" zu finden ist: "Wir haben dem Bier Kurbad-Sole, Algen und den Radikalfänger Quercetin zugesetzt", sagt Fritsche, dessen Trunk zwar nicht ewige Jugend, aber eine anregende und heilende Wirkung auf Körper und Geist verspricht.

Eine andere gesunde Idee kam Fritsches Vater bei einem Interview. Zusammen mit einem Fernsehreporter hatte sich der Senior-Chef zum Gespräch in eine Badewanne voll mit Kloster-Bräu gesetzt. Als er wieder aus der Wanne stieg, bemerkte Fritsche Senior die angenehme Wirkung des Bieres auf der Haut. Und erfand Deutschlands erstes Badebier. Der samtschwarze Badezusatz wird heute an Hotels, Wellness-Anlagen und Privatabnehmer verkauft.

Vor allem Männer sind begeistert: "Ein entspannendes Bierbad und Fußball auf dem Flatscreen-Fernseher. Das ist doch die perfekte männliche Wellness-Oase", scherzt Fritsche. Vor penetrantem Biergeruch müssen sich die Frauen der Genießer nicht fürchten: "Nichts erinnert beim Badebier an das typische Bier-Aroma", verspricht der Geschäftsführer.

Seit über 400 Jahren wird in Neuzelle bereits Bier gebraut, und nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Geschichte der 1589 gegründeten Klosterbrauerei ist bewegt. 1892 brennt das Brauhaus völlig nieder und wird zehn Jahre später an seinem jetzigen Standort wieder aufgebaut. 1948 erfährt sie das Schicksal vieler ostdeutscher Brauereien: Sie wird vom DDR-Regime enteignet, in Volkseigentum überführt und in Brauerei Neuzelle umbenannt. Nach dem Fall der Mauer erhält das Brauhaus seinen Namen zurück und wird 1992 schließlich als Klosterbrauerei Neuzelle an einen Unternehmensberater verkauft: Helmut Fritsche, der Vater des heutigen Geschäftsführers. Bis heute ist der Senior alleiniger Gesellschafter, seit 1999 führt er die Brauerei zusammen mit seinem Sohn Stefan. Dieser bezeichnet den Vater als patriarchalisch, betont aber das sehr gute Arbeitsverhältnis: "Jeder hat seine Stärken und Bereiche. In geschäftlichen Angelegenheiten sind wir uns fast immer einig."

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