Britische und US-Unternehmen engagieren sich weit stärker
Deutsche fallen in China zurück

Die deutschen Unternehmen müssen sich in China stärker engagieren, wenn sie nicht abgeschlagen werden wollen, sagten Experten im Frankfurter Gespräch, einer regelmäßigen Diskussionsrunde des Handelsblatts.

FRANKFURT. Im Vergleich zum Ausland hielten sich deutsche Unternehmen bei Übernahmen deutlich zurück, warnten die Experten. Doch sie könnten es sich nicht leisten, das Land zu ignorieren. Neben einem knapp zweistelligen Wirtschaftswachstum lockten Kaufkraft und privater Verbrauch einer Milliardenbevölkerung.

Im vergangenen Jahr haben sowohl Großbritannien als auch die USA deutlich über vier Mrd. Dollar in chinesische Unternehmen investiert und stellten damit zusammen 48 Prozent des Dealvolumens. Deutschland folgt weit abgeschlagen auf Platz 14. Dabei drohen die hiesigen Firmen einen Trend zu verpassen. China liegt nach Berechnungen von Thomson Financial inzwischen nach Japan und Australien auf Platz drei der fünfjährigen Bestenliste bei Fusionen und Übernahmen (M&A) in Asien. Das Land verdrängte mit einem Volumen von 107 Mrd. Dollar bei knapp 3 000 Transaktionen Südkorea auf Rang vier. Das M & A-Gewicht von China wird nach einer Umfrage der renommierten Economist Intelligence Unit unter 231 Führungskräften in den nächsten fünf Jahren weiter zunehmen. Der private Verbrauch soll in den nächsten sechs Jahren um sieben bis neun Prozent wachsen. Das verfügbare Einkommen soll ähnlich steigen.

Europäische Firmen kauften chinesische Unternehmen vor allem, weil sie einen billigen Produktionsstandort suchen, sagte Managing Director Kai Tschöke von Morgan Stanley. Dagegen nutzten die Nordamerikaner Übernahmen inzwischen verstärkt, um einen neuen Absatzmarkt für die eigenen Produkte zu erschließen. Kai Lucks, bei Siemens für Integration, Fusionen und Übernahmen zuständig, rät den Unternehmen zu einem möglichst frühen Einstieg in chinesische Unternehmen, da sie rasant wüchsen und es damit später teurer werde, sich einzukaufen.

In jüngster Zeit wird das M&A-Geschäft in China vor allem von großen, milliardenschweren Bankendeals geprägt. Dazu gehörte 2005 das Engagement der Bank of America an der China Construction Bank oder in diesem Jahr die Beteiligung von Goldman Sachs, American Express und des Allianz-Konzerns an der International Construction Bank of China (ICBC). Der jetzt geplante Börsengang von ICBC dürfte mit über 21 Mrd. Dollar die bisher größte Emission weltweit werden.

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