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Brompton: Großer Kult um ein kleines englisches Fahrrad

In der englischen Metropole, wo Wohnraum knapp und teuer und die Diebstahlgefahr für Räder groß ist, gehören die Falträder schon lange zum Stadtbild. Der Fahrradhersteller Brompton fertigt fast alle Teile in London. Trotz Krise und hohen Preisen boomt das Geschäft wie noch nie zuvor.

Brompton-Fahrrad: Klappräder sind in der Londoner City das schnellste Verkehrsmittel. Quelle: Pressebild
Brompton-Fahrrad: Klappräder sind in der Londoner City das schnellste Verkehrsmittel. Quelle: Pressebild

LONDON. Wie lang die Lieferzeit für das Fahrrad ist? Der Händler in der Londoner Innenstadt zögert mit einer Antwort, bevor er seinen Kunden mit einem Scherz auf das Schlimmste vorzubereiten versucht: "Wie war das noch mal", fragt er seinen Mitarbeiter im hinteren Teil des Ladens, "wie viele Jahre muss man auf dieses Rad warten?" Von hinten kommt nur ein lautes Lachen, dann wendet sich der Händler wieder seinem Kunden zu. "Mit drei Monaten müssen sie rechnen." Der Hersteller könne sich vor Aufträgen nicht retten.

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Bei der Brompton Bicycle Company ist von Krise keine Spur. Will Butler-Adams, Chef des Unternehmens und einer der Eigentümer, hat andere Sorgen: "Wie schaffen wir es, die Nachfrage zu befriedigen, ohne unsere Lieferzeiten weiter ausdehnen zu müssen?" Zehn Mio. Pfund (umgerechnet 11,5 Mio. Euro) wird der britische Fahrradhersteller in diesem Geschäftsjahr, das im März endet, umsetzen. Ein Plus von über 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein ähnliches Wachstum hat das Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren hingelegt - mit einem auf den ersten Blick altmodischem Produkt: einem Fahrrad, das man zusammenfalten kann.

Klappräder galten als spießig

Ein Brompton hat nichts mit jenen Klapprädern gemein, wie sie in Deutschland in den 70er Jahren verbreitet waren, klapprig und billig verarbeitet. Da sie oft auf Campingplätzen im Einsatz waren, gelten sie als spießig. Ein Brompton dagegen ist Kult mit den kleinen Rädern und dem geschwungenen Rahmen.

In London, wo Wohnraum knapp und teuer und die Diebstahlgefahr für Räder groß ist, gehören die Falträder von Brompton schon lange zum Stadtbild. Sie gelten als schick, robust und äußerst praktisch.

Schnelles Verkehrsmittel

Man kann sie auf die Größe eines Aktenkoffers zusammenfalten, problemlos in der U-Bahn mitnehmen, im Supermarkt in den Einkaufskorb stellen und im Theater an der Garderobe abgeben. Auseinander gefaltet fahren sie sich so gut wie jedes andere Fahrrad, das in der mit dem Verkehrsinfarkt kämpfenden Stadt das schnellste Verkehrsmittel ist.

Brompton verkauft gut ein Drittel in der Heimat, doch der Exportanteil wächst. Die Räder gehören zu den wenigen Produkten "made in UK", und der Hersteller zu den britischen Industrieunternehmen, auf die Wirtschaftsminister Peter Mandelson Hoffnungen setzt, wenn er sagt, die wirtschaftliche Zukunft des Landes dürfe man nicht allein der Finanzbranche überlassen.

Entwickelt wurde das Brompton Mitte der 70er Jahre von Andrew Ritchie, einem Ingenieur, der seinen Lebensunterhalt lange Zeit als Landschaftsgärtner verdiente, weil er keine Geldgeber für die Fahrradproduktion fand. Ritchie baute den Prototypen eines neuen Faltrades, weil er sich über die Räder ärgerte, bei denen das Zusammenfalten lange dauerte und mühsam war. Also konstruierte er seine eigene Lösung - ein Rad, das sich in weniger als 20 Sekunden zusammenlegen lässt. Er nannte es "Brompton" - nach der Kapelle, die er von seinem Haus aus im Blick hatte.

Es sollte fast 15 Jahre dauern, bis Ritchie genug Geld hatte, um die Räder im größeren Stil zu bauen. Immer wieder war er bei potenziellen Kapitalgebern abgeblitzt. Ende der 80er Jahre fand er schließlich eine Bank, die er von seiner Idee überzeugen konnte. Freunde und Familie unterstützten ihn ebenfalls und wurden so zu Brompton-Anteilseignern. 1988 konnte Ritchies Firma die Produktion auf 90 Räder pro Monat steigern und sich ein Verkaufsnetz in ganz Großbritannien aufbauen.

Nach und nach expandierte Ritchie. 2002 setzte Brompton noch zwei Mio. Pfund um, verkaufte 7 000 Räder und beschäftigte 27 Leute. Inzwischen arbeiten fast 120 Menschen in der Brompton-Fabrik im Londoner Westen, einem unauffälligen Flachbau, eingequetscht zwischen einer Eisenbahnlinie und einer Autobahn. Sie bauen mehr als 20 000 Räder im Jahr und haben den Umsatz verfünffacht.

Mit knapp 25 Prozent ist Ritchie noch immer der größte Eigentümer des Unternehmens. Einen etwa ebenso großen Anteil hat er an Will Butler-Adams verkauft, an dessen Freunde und Familie. Ritchie hat auch die Führung des Unternehmens vor mehr als einem Jahr an Butler-Adams abgegeben - ein "guter Schritt, um die Firma weiterzuentwickeln", heißt es in Firmenkreisen, "Ritchie war stets zuerst Ingenieur und nicht so sehr Kaufmann".

Auch Butler-Adams hat Maschinenbau studiert. "Ich hab mir hier aber eine Mannschaft mit Leuten zusammengestellt, die Ahnung von Dingen wie Controlling haben, von denen ich nicht viel weiß."

Butler-Adams sitzt in einem schmucklosen Konferenzraum im ersten Stock der Fahrradfabrik. Seine Arme liegen auf einem Glastisch. Mit weißer Farbe sind in der Glasplatte einzelne Fahrradteile aufgemalt - etwa drei Dutzend der insgesamt 1 200, die zu einem Brompton zusammengeschraubt werden. Mit einer energischen Geste zeigt Butler-Adams auf die Komponenten, die Brompton selbst herstellt oder von britischen Firmen fertigen lässt - von den Laufrädern über die Gangschaltung bis zum faltbaren Pedal. "Fast die Hälfte der gesamten Wertschöpfung erbringen wir selbst", sagt Butler-Adams. Und das solle auch so bleiben. "Denn Brompton ist ein individuelles Produkt." Obwohl das immer bedeutet: "Jede Neuerung ist mit Aufwand verbunden, denn wir müssen stets eine Lösung finden, die zu unserem Rad passt, wir können nicht einfach irgendwas von einem Massenhersteller übernehmen." So müssen Brompton-Teile klein, leicht, aber dennoch robust sein. Die Räder wiegen je nach Ausstattung zwischen neun und zwölf Kilogramm - nur wenig mehr als ein durchschnittliches Rennrad. Und mehr soll es nicht werden.

Die Räder sind so gefragt, dass sich Brompton selbst mitten in der Krise eine Preiserhöhung erlauben konnte: Das Basismodell kostet jetzt 600 statt 500 Pfund, für ein gut ausgestattetes Rad muss man 1 600 Pfund auf den Tisch legen. Und jede Menge Geduld mitbringen, denn an den Lieferzeiten hat auch der höhere Preis nichts geändert.

Industrie

Vorbild: Der Fahrradhersteller Brompton Bicycle Company ist ein Beispiel dafür, dass die britische Ingenieurskunst noch nicht ganz ausgestorben ist. Auf solche Firmen setzt Wirtschaftsminister Peter Mandelson, wenn er von der Wiederbelebung der britischen Industrie spricht. Die wirtschaftliche Zukunft des Landes könne man nicht nur der Finanzbranche überlassen, sagt Wirtschaftsminister Mandelson.

Niedergang: Der Niedergang der Industrie des Landes hat sich in Großbritannien schneller vollzogen als in anderen Teilen von Europa. Mitte der 80er-Jahre erwirtschaftete die Industrie Großbritanniens noch mehr als 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, heute sind es nur noch 13 Prozent.

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  • 25.03.2010, 12:48 UhrAnonymer Benutzer: Frank

    Hallo Jonas,
    ich fahre ein brompton und bin kein bonibanker. Sie haben offenbar keine Ahnung von den Rädern und deren Qualität. Aber Hauptsache mal den eigenen Senf dazugeben.

  • 22.02.2010, 00:05 UhrAnonymer Benutzer: Trecker

    @Jonas,
    Hallo, was ist so schlecht an den Rädern? Die idee und bescheibung hört sich sehr gut an. bitte info.

  • 21.02.2010, 12:15 UhrAnonymer Benutzer: Jonas

    Kein Wunder, daß in der Krise die Umsätze steigen, wenn der Finanzdamager sich dank ausbleibender boni keinen Ferrari mehr leisten kann, kommt eben das Fahrrad her.

    Die Räder sind etwa genau so schlecht wie die Klappräder der 70er und genau so spiessig, aber was weiss ein bonibanker schon von der realen Welt?

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