Brüchige Partnerschaft
Banken in Panik

Sparkassen und Landesbanken feiern sich als Partner des Mittelstands. Unternehmer Erich Aichele hat ganz andere Erfahrungen gemacht: Die jahrelang so gut funktionierende Partnerschaft zwischen Unternehmen und lokalen Geldgebern ist brüchig geworden.
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DÜSSELDORF. Wenn Joachim Schielke über sein Geschäft redet, gerät er fast ins Schwärmen. "Wir sind ein stabiler und berechenbarer Partner für unsere mittelständischen Kunden. Das gilt für die Vergangenheit, und das gilt für heute", sagt der Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), der für die größte deutsche Landesbank das Geschäft mit Unternehmen im Ländle führt.

Wenn Erich Aichele solche Reden hört, bekommt er fast einen Wutanfall. "Kommt es hart auf hart, hilft dir niemand", faucht der kleine, etwas rundliche Mann in seinem Büro im badischen Ort Bretten. Sein Gesicht läuft rot an, trotz seiner 64 Jahre sprüht er vor Elan. Und heute auch vor Zorn.

Der Unternehmer ist geschäftsführender Gesellschafter der Aichele Group. Der Automobilzulieferer mit Standorten in Deutschland, China und Tunesien ist Weltmarktführer bei Elektrokupplungen und Kabelkonfektionen. 1969 hat Aichele das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau als "Zwei-Mann/Frau-Betrieb" unter dem Namen Era gegründet.

Eigentlich eine typische Erfolgsgeschichte. Gäbe es da nicht jenen Bruch, der das Unternehmen vor gut einem Jahr fast in den Zwangsverkauf getrieben hätte. Und der dafür sorgte, dass ein Großteil der Era-Gruppe heute einem US-Unternehmen gehört, das zum Jahresende viele Arbeitsplätze von Deutschland nach China verlagern will. Fast vier Jahrzehnte nach seiner ersten Gründung zwang dieser Bruch Aichele dazu, aus den Resten seiner Firma wieder eine neue aufzubauen. Schuld daran, so sieht es Aichele, sind die Banken, darunter auch jene LBBW, deren Vorstand Schielke sich doch als so verlässlicher Partner des Mittelstands versteht. Die Geldgeber bestreiten, für den Era-Niedergang verantwortlich zu sein. Tatsächlich war das Unternehmen nach dem Kauf einer finanziell angeschlagenen Partnerfirma in die Schieflage geraten - plausibel, dass die Kreditinstitute nervös wurden. Belegen lässt sich aber auch, dass die Banken durch ständige Kurswechsel und immer schärfere Forderungen die Abwärtsspirale antrieben.

Die abrupte Wende ist ebenso wie der einstige Erfolg typisch für viele Mittelständler und dafür, dass die jahrelang so gut funktionierende Partnerschaft zwischen Unternehmen und lokalen Geldgebern, vor allem den Sparkassen und Landesbanken, brüchig geworden ist. Eine Partnerschaft, die wie ein Schmiermittel die Wirtschaft am Laufen hielt, die Arbeitsplätze sicherte. Die Kreditvergabe per Handschlag zwischen dem örtlichen Sparkassenleiter und dem Unternehmer hatte aber stets den Ruch der Vetternwirtschaft und ging unterm Strich zulasten der Kunden mit schlechteren Beziehungen und - bei Schieflagen der öffentlichen Banken - der Steuerzahler.

Noch feiern sich die 449 Sparkassen und elf Landesbanken als wichtigste Mittelstandsfinanzierer in Deutschland. Sie vergaben 2006 rund 44 Prozent aller Kredite an Unternehmen und Selbstständige. Doch die öffentlich-rechtlichen, gemeinwohlorientierten Geldhäuser benehmen sich heute kaum anders als die kommerziellen Banken, rechnen hart durch, welcher Kredit sich lohnt, ziehen die Daumenschrauben an, wenn Zahlungen gefährdet sind. "Früher prüften vor allem die Großbanken Kreditanfragen mit ausgeklügelten Systemen", bestätigt Detlev Schlebusch, Gesellschafter der Frankfurter Unternehmensberatung S+V. "Heute sind auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit diesen Instrumenten ausgestattet."

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