Bürokratie
Im Paragraphen-Dschungel am Amazonas

Deutschland, ein Bürokratiedschungel? Der Ärger deutscher Unternehmer über den heimischen Standort ist meist nichts im Vergleich zu der Erfahrung, die sie im Ausland mit lahmen Behörden und überbordendem Papierkram machen. Der Boom in Brasilien lockt deutsche Mittelständler. Doch viele unterschätzen die drohenden Fallstricke bei der Expansion.

SAO PAULO. So erging es Stefan Schmersal, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Schaltgeräteherstellers Steute aus dem westfälischen Löhne, als seine Firma nach Brasilien expandierte. Ein halbes Jahre brauchte er, bis die Gründung einer Tochtergesellschaft durch war und bis er die Lizenz zum Import von Produkten aus Deutschland hatte. Unzählige Dokumente schaffte er heran. Anwälte und Despachanten, also bezahlte „Vermittler“ in den brasilianischen Behörden, schaltete er ein. Doch es dauerte vier Monate, bis die Firma dort Betriebsgenehmigung und Steuernummer besaß sowie im Handelsregister eingetragen war.

„Lästig, zeitintensiv und teuer“, fasst Schmersal den Prozess zusammen und schimpft: „Die Auflagen für ausländische Unternehmer sind hemmend und gelegentlich investitionsfeindlich.“ Sein Rat: Man darf die Bedingungen in Brasilien nicht unterschätzen, wenn man mit der Expansion in das Land liebäugelt.

Solche Pläne hegen derzeit viele: Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zieht es in Scharen nach Brasilien. „Wir erleben eine Trendwende“, beobachtet Rolf Acker, Präsident der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in São Paulo. „Nach den Großunternehmen in den Siebzigerjahren und der Auto-Industrie in den Neunzigern kommen jetzt kleinere Unternehmen aus Deutschland nach Brasilien.“

Sie wollen vom dortigen Boom profitieren, denn Brasilien erlebt momentan die längste Wachstumsperiode seit dreißig Jahren. Logistik, Energie, Umwelt, Bau und Agro gelten als große Zukunftsmärkte. Das Land wird in den nächsten Jahren gewaltig in die Infrastruktur investieren. Die Fußball-WM 2014 wirkt da wie zusätzlicher Energiestoß.

Doch die Newcomer aus dem Mittelstand unterschätzen regelmäßig die Startschwierigkeiten im Amazonasland – selbst, wenn sie alles andere als ahnungslose Provinzler sind. Unternehmer Stefan Schmersal betreibt schon seit Jahren Niederlassungen in außereuropäischen Ländern, wie den USA und China. Zudem kennt er Brasilien: Er hat dort gearbeitet, spricht Portugiesisch. Heute ist Schmersal überzeugt: „In Brasilien ist die Unternehmensgründung so schwierig wie in China.“

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