Busbauer Solaris
Papa Olszewskis Aversion gegen Rost

Die Familie Olszewsky hat aus dem polnischen Bushersteller Solaris einen echten Konkurrenten für Daimler und MAN geformt. Nach einem schwierigen Start fahren die rostfreien Busse des Unternehmens heute in 22 europäischen Ländern.
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BERLIN. Der Notar war gerade da. Ab sofort bist Du jetzt allein für Österreich zuständig", teilt Solange Olszweska ihrer Tochter Malgorzata mit. Widerstand der 31-Jährigen ist zwecklos. Der Entschluss der resoluten Vorstandschefin des Busherstellers Solaris Bus & Coach steht fest. Vater und Aufsichtsrat Krzysztof Olszewski nickt zustimmend.

Der Begriff Familienunternehmen stimmt bei der polnischen Familie Olszewsky im wahrsten Sinn: Mutter Solange hatte mit ihrem Mann, dem früheren Betriebsleiter des Busbauers Neoplan in Berlin-Spandau, 1996 Solaris gegründet. Heute steuert ihre Tochter Malgorzata von Berlin aus den Verkauf in Deutschland, ihr Sohn Jan verantwortet internes Consulting.

Begonnen hatte Solaris vor 14 Jahren in einer maroden Rüstungsfabrik in Bolechowo bei Posen mit 36 Mitarbeitern, die in dem Jahr 56 Busse herstellten. 2009 fertigte Solaris mit 1 562 Mitarbeitern 1 114 Busse und fuhr so einen Umsatzrekord von 272 Mio. Euro ein.

Markenzeichen ist ein grüner Dackel

Markenzeichen der polnischen Busse ist ein grüner Dackel, eine Erfindung von Solange Olszewska. Der Dackel wird seiner Rolle Jagdbeigleiter gerecht. Wie ein Wadenbeißer verfolgt er die großen Konkurrenten Daimler und MAN: Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt, Bremen, Dresden, in 20 deutschen Städten fahren bereits 1 236 der polnischen Busse. Ob mit Dieselmotoren, als Oberleitungsbusse in Eberswalde oder hybrid-getrieben.

Vorgezeichnet war der Erfolg keineswegs. "Es war ein Himmelfahrtskommando", berichtet Krzysztof Olszewski, "aber wir haben an unsere Idee geglaubt." Gattin Solange erinnert sich: "Die Lage war ziemlich hoffnungslos." Solaris hatte 1996 einen lukrativen Auftrag in Posen an der Angel, aber keine deutsche Bank wollte Kredite geben. Erst ein kleines polnisches Institut leistete Starthilfe. "Wir steckten damals bis zu den Ohren in Schulden", blickt Solange zurück.

Die Familie spricht Deutsch, denn die Olszewsky sind Polen und Deutsche. Und das kam so: 1981 fuhr Krzysztof Olszewski nach West-Berlin, um Ersatzteile für seine Warschauer Werkstatt zu besorgen. Da wurde in Polen das Kriegsrecht verhängt und er blieb, wo er war. Frau Solange kam nach. Die Kinder, damals zwei und drei Jahre alt, durften nur nachreisen, weil sich Außenminister Hans-Dietrich Genscher persönlich dafür eingesetzt hatte. Krzysztof Olszewski ging zum Busbauer Neoplan, wo er zum Berliner Fabrikchef aufstieg. Olszewska wurde Oberärztin am Institut für Zahnheilkunde der Freien Universität Berlin.

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