Business Angels
Kommerz mit der Kunst

Am Anfang hatte Verleger Alex Dielmann eine Idee. Erstmals eine Gesamtausgabe aller Texte Richard Wagners zu publizieren, pünktlich zum 125. Todestag des Komponisten. Doch wie finanzieren? Dielmann trug seine Idee vor rund 50 Business Angels vor, mit Erfolg. Wie sich Kulturschaffende über Wagniskapital finanzieren können.

FRANKFURT. Präsentation und Expertise des Verlegers überzeugten einen anwesenden Angel. „Alsbald beteiligten sich drei weitere Investoren, so dass wir die Summe von 50 000 Euro rasch zusammen hatten“, so Dielmann. Jetzt fehlen nur noch 10 000 Euro. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist, auf diesem Wege an Geld zu kommen."

Die Initiative der Business Angels FrankfurtRheinMain e.V. ermöglicht Kulturschaffenden aus der Region in Kontakt mit erfahrenen, investitionswilligen Unternehmern, Business Angels eben, zu kommen. Das 2005 ins Leben gerufene Treffen von Investoren unter dem Namen „Business Angels Forum Kultur“ findet sich halbjährlich zusammen und nimmt in dieser Form deutschlandweit eine Vorreiterrolle in der Förderung der Kreativwirtschaft ein. Die Initiative will Einzelprojekte oder Unternehmensgründer finanziell und beratend unterstützen. Oft mit Erfolg, denn etwa jeder fünfte Kapitalsuchende, der sich bisher bei den Kultur Angels vorgestellt hat, habe einen Investor gefunden, betont der Verbandschef der Frankfurter Business Angels, Frank Müller. Noch steckt die Initiative in den Kinderschuhen: Drei Projekte sind bisher erfolgreich umgesetzt worden. Mittlerweile treffen Anfragen von Kreativen aus ganz Deutschland bei den Angels ein. Daher plant Müller mit „Business Angels Invest Kultur“ bundesweit aktiv zu werden, sucht aber noch Investoren.

„Normalerweise investieren die Angels in IT, Technik oder Forschung“, sagt Müller. Kultur kann mit Wachstumsraten aus diesen Bereichen kaum mithalten. Der Kultursektor habe aber viele Vorteile, die unterschätzt würden. Als Beispiele nennt er die überschaubaren Zeiträume, die geringen Investitionssummen von rund 50 000 bis 100 000 Euro und das Prestige, das ein Investor mit einem Engagement nutzen kann. Aber, betont er, Voraussetzung für jedes Engagement sei die vorhersehbare Wirtschaftlichkeit der Projekte.

Verleger Dielmann wirbt, mit Kulturengagements sei eine Investition nicht nur mit zehn oder 15 Prozent rentabel, auch der Spaß sei entscheidend. Oft seien die Investoren kulturell interessiert.

Auch der Intendant des Frankfurter English Theater, Daniel Nicolai, ergriff die Chance, dass die Business Angels bei ihm gastierten, und stellte seine Musicals als mögliche Investitionen vor. „Kritischen Experten unser Theatergeschäft vorzustellen, war eine tolle Option, um neue Anregungen zu bekommen.“ Zwar fand sich diesmal kein Investor, um das Risiko hoher Produktionskosten des vorgeschlagenen Musicals „Rent“ mitzutragen. Im Nachhinein ist Nicolai sogar froh, das Stück völlig selbst finanziert zu haben, denn „Rent“ habe sich als sehr erfolgreich entpuppt.

Auch in anderen Regionen Deutschlands werden Finanziers auf den Sektor Kultur aufmerksam. Etwa in Berlin, wo die junge kreative Szene das Kulturleben unübersehbar prägt. Mit dem „VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin“ ging die Investitionsbank Berlin Anfang dieses Jahres an den Start. Sie vergibt Wagniskapital an Kreativunternehmen. Der Fonds ist mit 30 Mill. Euro dotiert und investiert in Beteiligungen bis zu 1,5 Mill. Euro.

Verleger Dielmann hat auch mit seiner überschaubaren Summe aus den Händen der Business Angels sein Projekt umgesetzt: Im Juni wird die Wagner-Reihe veröffentlicht. Und auch eine Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse steht auf dem Programm.

Kultur- und Kreativwirtschaft

Kleingliedrig

Kultur- und Kreativwirtschaft sind als Sektoren nicht klar abgegrenzt. Die Kreativwirtschaft umfasst alle Unternehmen und Aktivitäten die zur Produktion, Vermittlung oder medialer Verbreitung von Kultur beitragen. Neben Künstlern, Architekten, Designern und Journalisten wird zur Kreativwirtschaft auch ein Teil des IT-Sektors gezählt. Häufig sind freischaffende Einzelunternehmer in diesem Sektor aktiv.

Im Fokus der Politik

In Deutschland fand im April 2007 erstmals im Bundestag eine eigene Plenardebatte zum Thema Kulturwirtschaft statt. Vier der fünf Fraktionen legten eigene Anträge vor und forderten von der Bundesregierung, die Kulturwirtschaft künftig als eigenständigen Wirtschaftsfaktor anzuerkennen und in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Finanzierung

Die Finanzierung von Kreativ- und Kulturunternehmen ist vielfältig. Häufig halten eigene Ersparnisse für die ersten Investitionen her. Viele Künstler scheuen die betriebswirtschaftliche und finanzielle Seite ihres Unternehmens.

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