Business-Monitor: Veränderung als Firmenkultur
Mittelstand unterschätzt Management-Aufgaben

Das professionelle Management von Veränderungsprozessen (Change Management) hat bei großen Unternehmen einen hohen Stellenwert. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatt-Business-Monitors in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Droege & Comp.

fo/HB DÜSSELDORF. Knapp drei Viertel der Befragten Manager wollen zudem das Change Management in ihren Unternehmen in den nächsten zwei Jahren weiter verbessern. Die heftigen innerbetrieblichen Proteste um Arbeitsplatzverlagerungen oder Reorganisationen, so Georg Wolters, Partner bei der Beratungsgesellschaft Droege & Comp., stünden „beispielhaft für die wachsende Bedeutung eines professionellen Change Management“.

Von den kleinen und mittleren Firmen glaubt aber nur die Hälfte der Befragten, dass Change Management in Zukunft eine große oder sogar sehr große Bedeutung zukommt. Wolters sieht darin eine immer noch weit verbreitete Fehleinschätzung, dass Change Management zum „weichen Teil“ der Managementaufgaben gehöre. Das bestätigt auch Matthias Wolfgruber, Vorstandsvorsitzender der Altana Chemie AG. Viele Unternehmen hätten ihre „Lehren aus der Vergangenheit nicht gezogen“. Die so genannten „soft kills werden generell von den Managern unterschätzt“.

Nach Wolters Einschätzung spielen gerade in Zeiten anhaltend schwacher Konjunktur und mangelnder Reformen die permanenten Veränderungsprozesse in den Unternehmen eine entscheidene Rolle für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Der Druck auf die Unternehmen, durch Standortverlagerungen in andere Länder oder Lohnkürzungen gegenzuhalten, wachse enorm. Solche Veränderungen müssten aber gut organisiert werden. Altana-Vorstand Wolfgruber warnt allerdings vor „Veränderungen um der Veränderung willen“. „Manche Manager sehen ihren Job darin, erst einmal Action zu machen.“ Change Management sei dagegen ein dauerhafter Prozess, der in der Unternehmenskultur fest verankert werden müsse. Und: Wer etwas verändere müsse sich immer fragen, „wohin führt diese Veränderung“, sagt Wolfgruber. Der 52-Jährige führt seit 2002 die Altana-Chemietochter mit rund 2 500 Beschäftigten.

Nach dem Ergebnis des Business-Monitor halten sogar 17 Prozent der Befragten Change-Management-Konzepte für vernachlässigbar, 32 Prozent messen ihnen eine eher geringe Bedeutung zu. Der Berater Wolters macht dafür auch die teilweise „schwerfälligen Strukturen in deutschen Unternehmen“ verantwortlich. „Teilweise werden Arbeitnehmer und Führungskräfte weder rechtzeitig noch umfassend in die Veränderungsprozesse einbezogen.“ Hintergrund ist nach Wolters Meinung sicher auch, dass gerade die Konzerne der so genannten Deutschland AG eigenen Gesetzen unterlägen: unternehmensferne Shareholder-Strukturen, unvereinbare Vorstands- und Bereichsinteressen oder verbandspolitisch geprägte Arbeitnehmervertreter etwa. Damit werde jede Veränderung in einem Unternehmen zu einer großen Herausforderung.

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