Businesspläne
Nicht nur die Idee zählt

Die Zahl der Patent- und Markenanmeldungen in Deutschland hat leicht zugenommen, auch die Nachfrage nach Wagniskapital („Venture Capital“) wächst, wie die KfW Bankengruppe festgestellt hat. Das Venture-Capital-Team der Beteiligungsgesellschaft 3i erhält mehr als zehn neue Businesspläne pro Woche – allerdings fallen 95 Prozent der Geschäftsideen durch.

FRANKFURT. Um einen Geldgeber zu überzeugen, kommt es auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Als sich beispielsweise der Ingenieur Thomas Keil Mitte der neunziger Jahre mit Deutschlands erster Internet-Branchenauskunft „Yellow Phone“ selbständig machte, steckte hierzulande die Venture Capital-Branche noch in den Kinderschuhen. Die potenziellen Geldgeber winkten ab: zum damaligen Zeitpunkt wollten weder 3i, Earlybird oder irgendein anderer Anbieter einsteigen. „ISDN, Anrufweiterschaltung und kostenfreie Rufnummern waren zu dieser Zeit Innovationen, das Internet und die New Economy gerade im Kommen. Der Markt wurde damals noch unterbewertet“, vermutet „Yellow Phone“-Geschäftsführer Keil.

Heute ist der Branchenauskunftsmarkt heiß umkämpft. Giganten wie Google, AOL und Ask Jeeves wollen nun in Deutschland Marktanteile erobern. Brancheninsider schätzen das Marktpotenzial für Telefonie- und Online-Branchenauskünfte in Deutschland auf rund 1,2 Mrd. Euro pro Jahr. Branchenpionier Keil begibt sich unter den veränderten Marktbedingungen zum zweiten Mal auf die Suche nach Wagniskapital und hofft auf Erfolg.

Venture Capital ist mittlerweile ein etabliertes Finanzierungsinstrument bei der Unternehmensgründung geworden. Selbst die Deutsche Bank verschafft ihren Unternehmenskunden Zugang zu Wagniskapital. „Die Unternehmer sollten sich über alle zur Verfügung stehenden Finanzierungsarten informieren und sich anschließend gemeinsam mit dem Berater für eine Finanzierungsform entscheiden“, rät Michael Lermer, Pressesprecher bei der Deutschen Bank. Ein Finanzierungsmix unter Einbeziehung öffentlicher Fördermöglichkeiten könne dabei auch das Risiko für den Investor reduzieren.

KfW-Experte Julian Machleidt sieht zwar „deutliche Anzeichen für eine Marktbelebung.“ Nach wie vor bestehe aber noch Entwicklungspotenzial auf der Angebotsseite: „Der Kapitalbedarf bei Neugründungen liegt häufig unter einer Million Euro. Wegen der hohen Transaktionskosten wird es für die meisten privaten VC-Gesellschaften von da ab erst lukrativ.“

„Ob ein Engagement finanzierungswürdig ist, wird von Fall zu Fall entschieden“, sagt Klaus Stöckemann, Partner von 3i. Eigenes Kapital muss nicht unbedingt vorhanden sein. „Einige sind nur mit 10 000 oder 20 000 Euro dabei“, so Stöckemann. Werden größere Summen mitgebracht, wertet der Investor dies jedoch als einen Indikator dafür „wie sehr der Gründer hinter der Geschäftsidee steht.“ Wer vorher selbst finanziell ins Risiko gegangen ist, kommt bei Wagniskapital-Geldgebern besonders gut an. Über die Auswahl entscheidet aber auch noch eine Vielzahl anderer Kriterien, so die „nachgewiesene Nachfrage“ im Markt für das neue Produkt oder der Patentschutz der Innovation. Eine vorhandene Gründungserfahrung erhöhe ebenfalls die Chancen, so Stöckemann. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Unternehmerpersönlichkeit. Kurz: Eine patente Idee allein reicht noch nicht aus.

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