Businessplan
Übung für die Überzeugungskraft

Die zündende Geschäfts-Idee kann fast überall warten. Im Uni-Labor. In der eigenen Garage. Am Arbeitsplatz. Oder eben auf einer Party. Matti Niebelschütz wurde hellhörig, als sich Freundinnen auf einer Geburtstagsfeier über Duftdoppelgänger entrüsteten. Der Gründung von Myparfuem.com ging ein Schaulaufen bei einem Businessplan-Wettbewerb voraus.

KÖLN. "Auf eine Frau zu treffen, die das gleiche Parfum benutzt, fanden seine Freundinnen ähnlich unangenehm wie im gleichen Abendkleid auf einer Party zu erscheinen", erinnert sich Niebelschütz. Die Geschäftsidee von Myparfuem.com war geboren: Ein Online-Shop, in dem sich jeder sein ganz persönliches, individuelles Parfum zusammenstellen kann.

Gemeinsam mit Bruder Yannis und einem Freund machte sich der 23-jährige Jurastudent an die Arbeit: Um zu testen, wie realistisch ihre Idee wirklich war, schickten sie ein erstes Konzept Anfang 2008 beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg ins Rennen. "Unter die Top Ten hat es dann beim ersten Versuch leider noch nicht gereicht. Aber durch das Feedback der Jury erkannten wir die Schwachstellen in unserem Business-Plan - und schalteten sie noch vor der Gründung aus."

Wie das junge Gründerteam um Niebelschütz nutzen jedes Jahr tausende Gründer einen der über 80 Businessplan-Wettbewerbe in Deutschland als Starthilfe in ihre Selbstständigkeit. Die Nachwuchs-Chefs reichen ihr Geschäftskonzept ein und erproben ihre Erfolgschancen im Wettkampf mit anderen Jungunternehmern. Den Gewinnern winken Geldpreise. Oder Mentoren helfen in der Gründungsphase.

Vor allem, wer zuvor nur eine Geschäftsidee hatte, profitiert von der intensiven Betreuung: Fast jeder Business-Plan-Wettbewerb bietet Workshops und Coachings durch spezialisierte Berater an. Mit dieser geballten Unterstützung reifen dann auch Party-Ideen zu praxistauglichen Geschäftsplänen.

Die drei Jungunternehmer von Myparfuem.com waren nach der Teilnahme am Wettbewerb mehr denn je von ihrer Idee überzeugt: Im August 2008 gingen sie mit Myparfuem.com online - und sie bewarben sich gleichzeitig einfach noch ein zweites Mal beim Berliner Businessplan-Wettbewerb. "Jetzt noch mal richtig, haben wir uns gedacht. Wir haben alles umgesetzt, was wir bei der ersten Teilnahme an Feedback bekommen hatten." Mit Erfolg: 2009 gewannen Myparfuem den Wettbewerb.

Wie der Berliner Wettbewerb sind die meisten Businessplan-Wettbewerbe regional ausgerichtet. Für Gründer auf der Suche nach der geeigneten Veranstaltung lohnt sich daher ein Blick auf die Internetseiten der Wirtschaftsförderungs-Institute vor Ort. "Die regionalen Wettbewerbe helfen Gründern vor allem beim Aufbau eines Netzwerks an ihrem Standort", erklärt Gabriele Gruber. Die Juristin berät beim Berliner Technologie-Coaching-Center (TCC) Gründer in der Technologie- und Kreativ-Branche bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Ein wichtiger Bestandteil der TCC-Förderung ist die Teilnahme am Berliner Businessplan-Wettbewerb, sagt Gruber: "Die Gründer bekommen hier nicht nur wertvolles Feedback zu ihrem Business-Plan, sondern können auch wichtige Kontakte zu Investoren, Beratern und erfahrenen Unternehmern vor Ort knüpfen." Businessplan-Wettbewerbe sind Tummelplätze für diverse Starthelfer.

Neben den regionalen Wettbewerben haben sich zunehmend auch branchenspezifische Businessplan-Wettbewerbe etabliert, die bundesweit ausgetragen werden. Hier finden die angehenden Unternehmer Unterstützung von Experten und Finanziers aus ihrem Segment. Vor allem Gründer mit wissenschaftlichem Hintergrund wagen hier mit Hilfe von renommierten Branchenkennern den Schritt von der Universität in die Unternehmerwelt.

Auch Jörg Traub und Thomas Wendler setzten bei ihrer Unternehmensgründung voll auf BusinessplanWettbewerbe. Die beiden Wissenschaftler haben an der Technischen Universität München ein Verfahren zur Darstellung dreidimensionaler Bilder bei Operationen entwickelt. Der erste Testlauf für ihre Geschäftsidee war ein internationaler Businessplan-Wettbewerb der Universität Berkeley. "Wir machten auf Anhieb den ersten Platz", sagt Traub. "Damit war klar, dass auch Außenstehende an den Erfolg glauben." Die Entscheidung war gefallen: In München sollte ihr Unternehmen unter dem Namen Surgiceye entstehen. "Was uns noch fehlte, waren unternehmerisches und juristisches Know-How - und Venture Capital-Investoren, die unsere Geschäftsidee finanzieren würden."

Die Jungunternehmer steckten ihre Zeit und Energie daher neben der Unternehmensgründung in gleich zwei Businessplan-Wettbewerbe: Den regional ausgerichteten Münchener Businessplan-Wettbewerb (MBPW) und den auf ihre Branche spezialisierten bundesweiten Wettbewerb Science4Life. "Für uns waren die Wettbewerbe wie eine zusätzliche Ausbildung in Unternehmensführung", sagt Traub. Bei Science4Life bekamen er und sein Kompagnon Nachhilfe in medizintechnischen Anforderungen und Zertifizierungs-Fragen. Außerdem wurden Investoren auf das Unternehmen aufmerksam. Und über den Münchener Wettbewerb lernten Traub und Wendler ihre heutigen Berater und Geschäftspartner kennen. "Dieses Netzwerk hat uns in der Gründungsphase bereits enorm geholfen", sagt Traub. "Der Input aus beiden Wettbewerben hat sich perfekt ergänzt."

Die Münchener Gründer schafften diesmal zwar nur noch den zweiten und den vierten Platz. Als Gewinner sehen sie sich aber trotzdem: "Gewinner ist letztendlich nicht derjenige, der den ersten Platz und das Preisgeld nach Hause trägt", sagt Traub. "Sondern derjenige, der den meisten Input mitnimmt. Und seine Idee dann auch wirklich erfolgreich umsetzen kann."

Checkliste

Ein professionell strukturierter Businessplan ist das A und O für die Gründung. Folgende Punkte gehören unbedingt hinein:

Idee: Geistesblitze

Der Businessplan beginnt mit der Geschäftsidee. Gründer erklären ihr Konzept und schildern, wie sie es umsetzen wollen.

Produkt: Kräftemessen

Im nächsten Schritt beschreiben Gründer, wie ihr Produkt funktioniert, was es kosten soll - und wie es sich von bestehenden Angeboten abhebt. Dazu gehören der technische Entwicklungsstand und Infos zu Patenten und Lizenzen.

Gründer: Teamgeist

Von der Ausbildung über bisherige geschäftliche Erfolge bis hin zur finanziellen und gesundheitlichen Situation müssen Unternehmer in spe ihre persönliche Qualifikation darstellen.

Markt: Kundenfang

Hier zeigen Gründer, dass sie ihre Branche und ihren Markt kennen. Anhand von Studien, Referenzen und Marktanalysen der Branchenverbände beschreiben sie Kaufverhalten, verfügbares Einkommen und Vorlieben ihrer zukünftigen Kunden.

Konkurrenz: Feindbilder

Gründer müssen ihre Wettbewerber kennen: Wer sind die Konkurrenten, was bieten sie zu welchen Preisen, wo ist die Konkurrenz besser oder schlechter?

Finanzen: Geldquellen

In einem Investitionsplan erfassen Gründer alle wichtigen Anschaffungen der kommenden Jahre. In der Liquiditäts- und Rentabilitätsberechnung listen sie künftige Einnahmen, Ausgaben und Umsätze auf. Außerdem klären sie, welche Kapitalgeber sie suchen.

Anhang: Beweispflicht

Im Anhang belegen Kopien von Patenten, Produktskizzen, Referenzen, Studien und Gutachten die Pläne des Gründers.

Präsentation: Kurzfassung

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte und eine gut ausgearbeitete Präsentation helfen, zukünftige Partner zu überzeugen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%