Carl Manner: Wie ein Österreicher der Macht von Nestlé standhält

Carl Manner
Wie ein Österreicher der Macht von Nestlé standhält

Carl Manner hat in Österreich und Osteuropa eine Süßwarenmarke aufgebaut, die sich gegen große Konkurrenten wie Nestlé behauptet. Mit Handelsblatt-Redakteur Stefan Menzel sprach er über Probleme in Deutschland, den Boom der Handelsmarken und seine Verankerung in Wien.
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Handelsblatt: Herr Manner, sind Sie zufrieden mit dem Bekanntheitsgrad von Manner in Deutschland?

Carl Manner: Es beginnt, ein Begriff zu werden. Aber ich wünsche mir, dass wir unseren Bekanntheitsgrad deutlich steigern können. Das wird aber noch länger dauern. Natürlich haben wir ein großes Interesse daran, auf dem großen und so nahen deutschen Markt zu wachsen.

HB: Wo läuft es besser als in Deutschland?

Manner: Bei unseren anderen Nachbarn, also vor allem in Osteuropa. In Slowenien beispielsweise ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Manner-Produkten höher als in Deutschland. Der deutsche Markt ist einfach schwierig - mit starken Preiskämpfen und seinen mächtigen Handelsketten. Wir produzieren beispielsweise auch für Lidl, sind dabei aber nicht mit unseren eigenen Marken vertreten. Damit wollen wir Manner-Produkte aus unnötigen Preiskämpfen heraushalten.

HB: Wie hoch ist der Anteil der Handelsmarken am Manner-Umsatz von rund 155 Millionen Euro im vorigen Jahr?

Manner: Handelsmarken kommen bei uns auf einen Umsatzanteil von etwa einem Drittel. Handelsmarken sind heute unverzichtbar. Sie sorgen einfach für eine bessere Auslastung unserer Maschinen und Anlagen. Aber wir achten sehr stark darauf, dass unsere eigenen Marken im Portfolio das eindeutige Übergewicht haben.

HB: Manner ist nur in Österreich vergleichsweise groß. Wie kann man gegen die Süßwaren-Riesen bestehen?

Manner: Was man braucht, ist eine ordentliche Auslastung der Produktion, damit wir mit unseren Kosten das Niveau der großen Konzerne erreichen können. Das schaffen wir etwa durch die bereits erwähnten Handelsmarken. Ganz wichtig ist, dass wir in Österreich als unserem Heimatmarkt stark sind. Das haben wir durch die Übernahme kleinerer österreichischer Hersteller erreicht. Hinter Kraft und Ferrero liegen wir in Österreich auf dem dritten Platz. Uns hilft zudem unsere Verankerung in Österreich als Familienunternehmen. Dass wir den Wiener Stephansdom für unsere Werbung benutzen können, ist natürlich ein weiterer großer Vorteil.

HB: Den Avancen, die Marke Manner zu verkaufen, sind Sie in 50 Jahren nie erlegen?

Manner: Es hat diese Versuche gegeben, sogar häufiger. Die meisten Kontakte hatten wir mit Nestlé. Aber das war nur einseitig der Wunsch von Nestlé, uns zu übernehmen. Wir wollten die Schweizer als Helfer, uns international bekannter zu machen. Immerhin hat diese Kooperation dazu geführt, dass wir von Nestlé eine Mozartkugel-Produktion übernommen haben.

HB: Der Wiener Stephansdom ist ihre wichtigste Trumpfkarte in der Werbung. Was machen Sie noch?

Manner: Viel Aufmerksamkeit bescheren uns auch die Skispringer. Wir haben jeweils einen Teil der deutschen und der österreichischen Nationalmannschaft unter Vertrag. Die Skispringer sollen natürlich gerade in Deutschland dabei helfen, unsere Marke Manner bekannter zu machen.

HB: Manner ist bekannt geworden durch die Haselnusswaffeln, die Manner-Schnitte? Wie wichtig ist dieses einzige Produkt?

Manner: Zusammen mit einigen Produkt-Derivaten kommen wir bei der Manner-Schnitte sicherlich auf einen Umsatzanteil von 20 Prozent. Die Schwierigkeit in Deutschland: Waffel-Ware wird nicht unbedingt als etwas Wertvolles angesehen, Waffeln haben in Österreich und Osteuropa einfach eine stärkere Tradition. Wir haben in Deutschland anfangs darunter gelitten. Das hat sich zum Glück gewandelt: Wir liefern nicht mehr Billigware, sondern unsere Marken-Produkte nach Deutschland.

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